„Vom Rißloch zum Hochfall“ oder „Stille Wege zum Hochfall“

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Wasserfalltouren im Arbergebiet:

von Isabelle Auer

„Vom Rißloch zum Hochfall“ oder – für alle, für die das Rißloch zu bekannt ist: „Stille Wege zum Hochfall“

Eigentlich wollten wir in unserer Bayerwald-Wandertipp-Serie ja hauptsächlich naturverträgliche Touren abseits des Touristenstroms und Ausflugsgetümmels vorstellen. So manch ein Bayerwaldkenner mag daher bei unserem diesmaligen Wandertipp stutzen: Ausgerechnet das Rißloch bei Bodenmais empfiehlt Ihr? Und dann noch zur Hochsaison?

Seit die Bodenmaiser Touristiker um das Jahr 2009 das Bodenmaiser Naturschutzgebiet rund um die höchsten Wasserfälle des Bayerischen Waldes als eines der letzten echten Urwaldgebiete Ostbayerns entdeckt haben, ist der Wald-Wanderparkplatz am Ende des Rißlochwegs an Schönwettertagen schon um 10 Uhr überfüllt. In solchen Fällen empfiehlt es sich, auf den öffentlichen Parkplatz an der Silberberg-Klinik (Rechensöldenweg) auszuweichen. Umweltfreundlicher ist aber natürlich die Anreise per Waldbahn und dem Zielbahnhof Bodenmais. Wer diese Variante wählt, folgt ab dem Bahnhof zuerst den Gleisen bis zum Bahnübergang, biegt dann links ab und folgt dem Rißlochweg, bis er im Wald auf seine autofahrenden Wanderfreunde trifft.

Wir merken es schon: Wer dem Rißloch-Trubel entgehen will, sollte etwas früher starten. Und trotzdem empfehlen wir diese Tour. Der Grund: Das Rißloch ist nur die Zwischenstation. Unser eigentliches Ziel kennen nur Arberspezialisten. Bei einer Arberführung vom Rißloch zum Hochfall fragte ich einmal die Gruppe, die aus 56 Einheimischen und vier Urlaubern bestand, wer denn den Hochfall, den zweithöchsten Wasserfall des Bayerischen Waldes schon kenne. Es meldeten sich  nur zwei Wanderer. Auch unseren DAV-Mitgliedern wollen wir ihn nicht vorenthalten. Wem das Rißloch dann doch zu bekannt ist, dem werden wir anschließend noch eine einsame Hochfall-Runde vorstellen.

Zuerst also die spektakulärere Variante:

„Vom Rißloch zum Hochfall“                                                                               12 km 4 Std.

„Hier wandern wir unter einem dichten Blätterdach, durch das Myriaden von Sonnentropfen fallen – wenn’s keine Regentropfen sind. (…) Welch eine Welt! Weiß und grün gischend, gurgelnd und kochend drängen und stürzen die Wasser zu Tal, tausendfach von nackt polierten Gneistürmen aufgehalten. Gefallene Baumriesen liegen kreuz und quer.“ So beschrieb Walter Pause bereits vor über 50 Jahren das Naturschutzgebiet Rißloch, eines der letzten Urwaldreste des Bayerischen Waldes. Hin und wieder begegnet dem aufmerksamen Wanderer – vor allem in Texten, die von den Naturschutzbehörden verfasst wurden, auch die Schreibvariante „Riesloch“…: Außerhalb des Nationalparks und neben der Arberseewand mit ihrem Großen Arbersee zählt das im Jahr 1939 ausgerufene Naturschutzgebiet „Riesloch“ zu den ältesten Naturschutzgebieten Bayerns. Dort, wo die Bäume die Wanderer nicht gefährden, dürfen sie stehend verrotten – so lange, bis ihr Holz so instabil wird, dass es einfach zerbröselt. Baumpilze, aber auch Spechtlöcher, beschleunigen den Prozess. Apropos „Vögel“: Mit etwas Glück – wenn das Wasser nicht zu laut rauscht – hört man auch die Rufe des Wanderfalken in der Schlucht, die einst entstand, als sich die Arberwasser entlang einer Schwachstelle in der Erdkruste in den harten Gneis (im Rißloch kann man an wenigen Stellen auch auf Granit stoßen) hämmerten. Andere tierische Schluchtbewohner, den Uhu oder die hier übertagenden Fledermäuse bekommen wir heute nicht zu Gesicht, hin und wieder berichten Rieslochwanderer sogar von Luchssichtungen…

So oder so: Wer genau hinschaut, kann in den Felsspalten entlang des unteren Weges das gelbgrünlich schimmernde Leuchtmoos entdecken. Unübersehbar hingegen sind im oberen Teil der Schlucht die gelben Schwefelflechten, die hier und besonders eindrucksvoll am Hochfallwasserfall die Felsen schmücken.

Also: Ausgangspunkt unserer etwa vierstündigen Wanderung ist der Wanderparkplatz Rißloch am Ende des Rißlochwegs. Wir folgen der „grünen 2“. Ob wir an der Weggabelung am Beginn des Naturschutzgebiets den oberen oder den unteren Weg wählen, bleibt jedem selbst überlassen. Wer den „bequemen Weg“ gewählt hat, der soll kurz, nachdem er an der oberen Kaskade vorbeigegangen ist, bei der nächsten Gelegenheit – genau genommen, bei der Wanderstempelstation – den Schwellbach überqueren und der Wegemarkierung „runde 2“ bergauf folgen in Richtung „Schweikelruh“. An dieser Stelle, wo der Schwellbach auf den Rißbach trifft, stoßen wir übrigens auch wieder auf die Wanderer, die an der unteren Weggabelung den „steinigen Weg“ entlang des Bachs mit dem um das Jahr 1910 errichtete E-Werk als Zwischenstation gewählt haben.

Weiter geht’s also bergauf. Nach einer Rast auf der Schweiklruh, einem Aussichtspunkt oberhalb von Bodenmais, folgen wir weiter dem schmalen Pfad bergauf, der, wenn wir am höchsten Punkt unserer Wanderung angekommen sind, in einen breiten Waldweg übergeht. Auf dem Forstweg angekommen, folgen wir dem Wanderpfeil in Richtung Bodenmais bis zum „Parkplatz Klause“. Nachdem wir die Teerstraße (die Scharebenstraße) ein paar Schritte bergauf gegangen sind, weist uns links der Wanderpfeil „runde rote 3“ den Weg zum Hochfall-Wasserfall, dem zweithöchsten Wasserfall des Bayerischen Waldes. Er wurde im Jahr 1965 zum Naturdenkmal erklärt, beeindruckt uns vor allem durch seine kesselförmigen Gumpen. Über viele Jahrtausende hat sich hier das Wasser in den Gneis hineingemeiselt und die wannenartigen Rinnen so ausgeschnitten, dass die streifenartige Anordnung der Mineralien deutlich sichtbar wird. Dass diese Wildheit des Hochfall-Wasserfalls, des „unbekannten zweiten“, nicht nur Naturliebhaber fasziniert, zeigte sich im Jahr 2008, als hier eine entscheidende – besonders dramatische Szene – für den ZDF-Spielfilm „Bis an die Grenze“ gedreht wurde.

Wir verabschieden uns vom Hochfall, gehen bis zur Teerstraße, der Scharebenstraße, den selben Weg zurück, folgen ihr bergab. Am gelben Joska-Geschäft trennen sich unsere Wege: Die einen mögen sich rechts ins Bodenmaiser Ortsgewimmel stürzen, die anderen zieht’s nach links – entweder durch den Kurpark dem Bahnhof zu oder via Finkenweg und Rechensöldenweg – vorbei am VitalZentrum Bodenmais und der Silberbergklinik – wieder dem Rißlochparkplatz zu.

DAV-Sektion Passau, Tour des Monats, Juni 2021 Wasserfalltour im Arbergebiet … (outdooractive.com)

Variante 2: Stille Wege zum Hochfall                                                               7 km 2,5 Std.

Eine weniger begangene, stillere Route, die eher einem langen Waldspaziergang gleicht und nur kurz vor dem Hochfall-Wasserfall einen etwas längeren Anstieg an den Hängen des Moosbachs, der ja den Hochfall speist, aufzuweisen hat, wurde bereits fast durchgehend markiert: Die „rote runde 8“ führt uns vom Parkplatz des Hotels „Riedlberg“ (Navi: Riedlberg, 94256) durch Wirtschaftswald in Richtung Mais, teilweise durch eintönige Fichtenmonokulturen, teils durch farndominierten Freiflächen und durch Jungwald. Nur am Anfang und am Schluss ist’s ein breiterer Weg, häufig ein angenehmer Waldpfad. Oberhalb vom Mooshof verlassen wir die vorgegebene Runde, folgen der „roten runden 3“ das Moosbachtal aufwärts. Es wird felsiger unter uns: die ersten Kaskaden des Hochfalls, wir sehen die Holzbrücke an ihrer größten Gumpe schon vor uns, links am Felsen: eine besonders große Schwefelflechte, die ihren Namen ihrer schwefelgelben Farbe verdankt, sonst aber nichts mit Schwefel zu tun hat. Weiter geht’s, hinauf zur Scharebenstraße, der wir via unserer altbekannten „roten runden 8“ auf schmalen, grob straßenparallelen Wanderpfad ein Stückchen folgen, bis unsere Markierung links abzweigt und via Riedbergweg uns wieder hinunter führt zum Riedlberghotel und zu unserem Parkplatz.

DAV-Sektion Passau, Tour des Monats, Juni 2001 Hochfall ab Hotel Riedlberg • … (outdooractive.com)

Karte: Fritsch Wanderkarte Arberregion 1:35000 (Bodenmais, Böbrach, Geiersthal, Teisnach, Zellertal)   

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