Enchainment Pinzgawurm-EndeNie

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Von Adi Stocker

Sogenannte Enchainments – die Aneinanderreihung zweier oder mehrerer Kletterrouten hintereinander an einem Tag – sind für Kletterer seit jeher ein Begriff. In Insiderkreisen bestens bekannt sind Protagonisten wie der Belgier Claudio Barbier, 1961 an den Drei Zinnen in den Dolomiten, der Franzose Christoph Profite, 1985 an den Nordwänden von Matterhorn, Eiger und Grand Jorasse in den Westalpen und die Tiroler Hias Noichl und Wendelin Karrer schon in den 1950er Jahren im Wilden Kaiser an den Wänden von Fleischbank und Predigstuhl in den Ostalpen. 

Einige sehr lange Kletterrouten – „Longlines“ – wie ich sie in meinem gleichnamigen Buch über die ganz großen Klettereien in den Nördlichen Kalkalpen bezeichne, bieten sich für derartige Unternehmungen förmlich an. So durchkletterten Timo Moser und Florian Hübschenberger bereits 2010 Albert Prechts Routen „Freier als Paul Preuss“ (28 SL, 7) am Bratschenkopf im Hochkönig und „Pipeline“ (34 SL, 7+) am Hochkogel im Tennengebirge an einem Tag. Gleiches gelang Rudi Hauser im Solo 2014.

Im selbigen Buch wird auch die sich anbietende Möglichkeit einer Aneinanderreihung von zwei der längsten Routen in den Nördlichen Kalkalpen, „Pinzgawurm“ (45 SL, 7+) an der 1500 m hohen Südwand des Birnhorns (2634 m) im Leoganger Steinberg und „EndNie“ (38 SL, 7-) an der 900 m hohen Nordseite des Breithorns (2413 m) im Loferer Steinberg, erwähnt.

Dieses Kunststück gelang im heurigen Sommer dem in Kramsach lebenden Lehrer und Wahltiroler Stephan Wolf (33). Er durchstieg beide Routen im Solo von Auto zu Auto in weniger als 18 Stunden. 

„83 Seillängen bis zum UIAA Grad 7+, 3700 Klettermeter und 3600 Höhenmeter im Auf- wie Abstieg!“

Stephan kletterte zum Kennenlernen beide Routen einzeln bereits im Sommer 2020 in freier Kletterei im „Free solo“ Stil. Nach einem wegen zu starker Nässe in der Route „EndeNie“ abgebrochenen ersten Versuch zu Beginn des Sommers 2021, gelang die Durchsteigung beider Routen an einem Tag schließlich am 5. September 2021.

Stephans kurzgehaltenen Detailinfos: 

  • Start Ullachtal Parkplatz um 00:30 Uhr. Für den „Pinzgawurm“ von Auto zu Auto 6,5 Std. (komplett im Dunkeln geklettert, nasse Passagen, weshalb nicht alles frei geklettert werden konnte).
  • Abstieg über die Passauer Hütte. Mit dem Auto nach Strub und kurze Esspause.
  • Start vom Parkplatz in Strub um 08:30 Uhr, am Einstieg „EndNie“ um 09:45 Uhr. Am Gipfel des Breithorns um 14:00 Uhr. Auch hier konnte wegen Nässe nicht alles frei geklettert werden.
  • 14:45 Uhr von-Schmidt-Zabierow-Hütte, Kaffee und Kuchen und um 18:00 Uhr wieder beim Auto in Strub.

Adi Stocker – Erstbegeher beider Routen – dazu:

Mir war immer klar, dass die Verbindung beider Routen für gute und schnelle Kletterer eine machbare Sache ist. Ich freue mich sehr über diese Begehung und kann vor Stephans Leistung nur den Hut ziehen. Die rein nominellen Schwierigkeiten in diesen Routen sind für einen Kletterer von Stephans Kaliber nicht die Herausforderung. Kletterei und Orientierung im Dunkeln, das sehr alpine Gelände und die an den Tag zu legende Geschwindigkeit sind es, die eine besonders ausdauernde psychische und physische Stärke verlangen. Ein weiterer Aspekt der mich sehr freut: Es sind keine Wände oder Routen von großem Bekanntheitsgrad – also wird der Stephan das so ganz für sich alleine gemacht haben. 

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