Bergtour zur Passauer Hütte und auf das Birnhorn

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Die Passauer Hütte war Stützpunkt und Übernachtungsort bei der Wochenendtour der Alpenvereins-Ortsgruppe Freyung in die Leoganger Steinberge. Die Sektion Passau des Deutschen Alpenvereins ist Besitzer dieser Berghütte, sie ist die einzige AV-Hütte im gesamten Bereich der  Leoganger Steinberge.

Die Passauer Hütte hat eine recht bewegte Geschichte hinter sich. Am 23. Juli 1892 wurde die von der Sektion Passau erbaute Bergsteigerunterkunft feierlich eröffnet. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges ist sie durch Brandstiftung vollkommen abgebrannt und die Sektion hat sie später mit viel Mühe wieder aufgebaut. Um die Jahrtausendwende ist die kleine Hütte schon ziemlich in die Jahre gekommen und es standen umfangreiche Reparaturen an. In dieser Zeit wurde ernsthaft überlegt, die Hütte zu verkaufen oder abzubrechen. Erst als der Deutsche Alpenverein großzügige Zuschusszusagen gab, begann die Sektion Passau den Um- und Ausbau der Hütte. In den Jahren 2012 bis 2016 hat die Sektion Pasau ca. 1.8 Millionen € investiert (1.44 Millionen € sind Zuschüsse) und heute präsentiert sich die Passauer Hütte als ein Schmuckstück und als beliebter Bergsteigerstützpunkt.

Zehn Bergfreunde nahmen an der spätsommerlichen Bergtour teil, die Tourenführer Max Pauli im Jahresprogramm 2018 ausgeschrieben hatte. Nach der Anfahrt über Bad Reichenhall und Saalfelden zum Ausgangspunkt Ullach begann der mehr als dreistündige, mühsame Aufstieg zur 2060 Meter hoch gelegenen Passauer Hütte. Schon beim Start imponierte den Bergsteigern die im Talschluss steil aufragende Südostwand des Birnhornmassivs (2634 m).

Sie gilt mit ihren 1300 Höhenmetern als eine der höchsten Wände in den Nördlichen Kalkalpen und ihre Kletterrouten – keine leichter als Schwierigkeitsgrad IV – sind teilweise schwieriger als die der weitaus bekannteren Watzmann-Ostwand.

Am frühen Nachmittag war die Passauer Hütte erreicht, die an diesem Wochenende voll belegt war. Nach einer ausgiebigen Ruhepause wanderte die Gruppe gegen Abend noch auf den Hochzint, 200 Höhenmeter höher als die Hütte. Wegen der immer noch um die Berge wabernden Nebelbänke blieb aber die gewöhnlich recht gute Sicht in das weite Saalfeldener Talbecken doch ziemlich eingeschränkt.

Zum Abendessen tischten Hüttenwirt Michi und sein Team einen vorzüglich zubereiteten Schweinebraten auf und es blieb anschließend noch Zeit für allerhand Gespräche. Dann wurden die Lager aufgesucht, um am nächsten Tag gut ausgeruht den Gipfelaufstieg zu wagen.

Am nächsten Morgen kündigte sich ein sonniger Bergtag an, gerade richtig für die Besteigung des 2634 Meter hohe Birnhorns.

Neben dem Normalweg über das Kuchelnieder gibt es den etwas anspruchsvolleren „Hofersteig“, der vom Tourenführer für den Aufstieg gewählt wurde. Da der Abstieg über die Normalroute erfolgte, wurde es eine direkte Überschreitung dieses eindruckvollen Berges. Der eigentliche Aufstieg begann beim sogenannten Melkerloch, einer auf zwei Seiten offenen gewaltigen Höhle und führte anschließend über Felsbänder durch den oberen Teil der Birnhorn-Südostwand aufwärts.

Beim Wechsel von einem Felsband zum nächsthöheren Band waren durchaus Kletterkenntnisse gefragt. Ohne Zwischenfall schafften die neun Bergsteiger (zwei Teilnehmer trauten sich den Aufstieg nicht zu und begannen stattdessen von der Hütte aus gleich mit dem Talabstieg) diesen schwierigsten Teil des Aufstieges und plötzlich wurde der Blick frei auf die Bergspitze mit dem Gipfelkreuz. Ein kurzer Aufstieg und die Umrundung einer Bergnase waren noch notwendig, dann stand man auf dem begehrten Gipfel.

Die Aussicht an diesem traumhaften Bergtag war überwältigend, der ungetrübte Blick auf unzählige Gipfel war der Lohn für die Aufstiegsmühen. Im Süden waren es vor allem Großglockner (3798 m) und Großvenediger (3662 m), die mit ihren im Sonnenlicht glänzenden Gletscherflächen beeindruckten.

Nach einer langen Gipfelpause ging es schließlich wieder an den Abstieg, diesmal auf dem Normalweg. Breite, schuttbedeckte Felsbänder führten früher oft zu gefährlichen Rutschpartien. Seit einigen Jahren hat die Sektion Passau Stahlseile anbringen lassen und dadurch die Situation etwas entschärft. Das Kuchelnieder, eine steile Felswand im Normalweg, hat die Sektion vor einigen Jahren ebenfalls durch einen leichten Klettersteig sicherer gemacht. Trotzdem waren auch bei diesem Abstieg an den Stahlseilen Kraft und Aufmerksamkeit notwendig.

Als auch diese Passage überwunden war, führte der Rückweg über Blockwerk und anschließend auf Gehgelände hinunter zur Hütte. Kurz nach Mittag war die Bergsteigergruppe wieder bei der Passauer Hütte angelangt, wo noch einmal eingekehrt wurde.

Nun stand der Gruppe noch ein langer Talabstieg bevor. Insgesamt hatten die Besteiger des Birnhorns an diesem zweiten Tourentag 1800 Höhenmeter im Abstieg zu bewältigen. Doch diese Strapazen werden gerne in Kauf genommen, wenn man dafür ein wunderbares Wochenende samt Aufstieg auf einen herrlichen Aussichtsberg erlebt, mit Bergfreunden in angenehmer und fröhlicher Gemeinschaft unterwegs ist  und wieder wohlbehalten daheim ankommt.

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