Sektionsreise 2018: Bergsteigen in den rumänischen Karpaten

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Die 2018 erstmals durchgeführte Bergreise der Sektion führte zwei Gruppen in die Karpaten südlich von Sibiu (Hermannstadt). Organisiert wurde alles vom Schatzmeister und Geschäftsführer Bernhard Pappenberger, der seine Rumänien-Kenntnisse aus seiner früheren beruflichen Tätigkeit nutzte und in Sibiu den perfekt Deutsch sprechenden Bergführer George engagierte, der die sechstägige Reise vor Ort vorbereitete und beide Gruppen an zwei aufeinanderfolgenden Wochen dann auch selbst führte.

Nach dem Transfer zum Flughafen München und dem Flug mit Lufthansa nach Sibiu konnte die erste 16 Personen umfassende Reisegruppe die sehenswerte Altstadt von Sibiu zunächst  auf eigene Faust und dann mit einem sehr engagierten Stadtführer kennenlernen. Ein landestypisches Abendessen in einem gemütlichen Lokal am Rande der Altstadt beschloss den ersten Tag. Am zweiten Tag brachte ein Kleinbus die Gruppe zum Ausgangspunkt der Wanderung Sebesul de Sus; danach folgte der Aufstieg durch herrlichen Buchenwald über 900 Höhenmeter zur Suru-Hütte (1450 m). Dort wurde die Gruppe sehr gastfreundlich empfangen und bestens verköstigt. Der Zustand der Hütte entsprach allerdings nicht dem Standard, den man von Hütten in den Ostalpen kennt.

Am nächsten Morgen erfolgte der Aufstieg über den Suru-Sattel zum Gipfel des Budislavu (2343 m), von dort zum romantisch gelegenen Avrig-See und weiter zum Scara-Gipfel (2306 m). Nach einem langen Abstieg erreichte die Gruppe nach 9 1/2 Stunden die  Negoiu-Hütte (1545 m). Leider herrschte bereits an diesem Tag Nebel und schlechte Sicht. Der Charakter der Gipfel in diesem Gebiet ist mit den Allgäuer Grasbergen vergleichbar – oft sehr steil und ausgesetzt, so dass man sich das eine oder andere Mal ein Drahtseil zur Sicherung durchaus gewünscht hätte (das aber nur selten vorhanden war). Gipfelkreuze gab es leider im ganzen Gebiet keine, dafür jeweils eine Stange (oder gar mehrere) mit der rumänischen Flagge. Die Negoiu-Hütte hätte zwar dem Standard der Hütten in unseren Bergen entsprochen, nur war die Hütte leider eine doch eher ungemütliche Baustelle, die die Gruppe am nächsten Morgen gerne schnell in Richtung Negoiu-Gipfel (2535 m), dem zweithöchsten Gipfel in Rumänien, verließ.

Dieser Anstieg führte zunächst durch einen kühn angelegten Steig durch den steilen Bergwald, dann über steile Wiesenhänge, wurde nun aber schnell alpin mit einigen eher harmlosen Kletterstellen im Fels. Der Weg zum Gipfel forderte dennoch Kondition, immerhin war der Negoiu der höchste Punkt der viertägigen Tour  und nur 8 Meter niedriger als der höchste Karpatengipfel Moldoveanu. Da auch an diesem Tag Nebel und Sturm herrschte,  bot der Negoiu der ersten Gruppe leider keinen Ausblick. George blieb nichts andres übrig, als den Gipfelstürmern anschaulich zu schildern, welch herrliches Panorama zu sehen wäre, wenn etwas zu sehen gewesen wäre! Die Gipfelfreude war deshalb aber kaum getrübt und die Gruppe nutzte den Aufenthalt für eine ausführliche Rast. 

Der Weiterweg führte dann nicht wie geplant am Bergkamm entlang zur Paltinu-Hütte am Balea-See (2045 m), sondern es wurde vorbei am Caltun-See und einer dort errichteten Biwak-Schachtel zu einem Kloster auf 1140 m Höhe abgestiegen, wo der Kleinbus die Gruppe über die kurvenreiche Pass-Straße und ein Tunnel zum Balea-See auf der Nordseite des Bergmassivs brachte. Die Paltinu-Hütte, früher das Jagdhaus des Diktators Ceausescu, ist fast hotelmäßig ausgebaut und bot deshalb einen bescheidenen Komfort. Da der Balea-See von Süden und von Norden mit dem Auto und von Norden sogar auch noch mit einer Seilbahn gut erreichbar ist, war der Touristenrummel dort oben entsprechend abschreckend – mit großen Parkplätzen, zahllosen Verkaufsständen, Kinderbelustigungen und einigen Lokalen. Da auch der nächste Morgen wieder mit Nebel und Sturm aufwartete, wurde der geplante Abstieg durch das Vaiuga-Tal gestrichen und stattdessen die Berge rund um den Balea-See bestiegen, wenigstens am Nachmittag dann bei schönem Wetter und bester Aussicht auf die Karpatengipfel nah und fern. Nachdem die Gruppe wieder vom Kleinbus vom Balea-See nach Sibiu zurückgebracht wurde, beschloss ein stimmungsvolles Abendessen in einem Lokal mitten in der Altstadt den ereignisreichen Tag.

Da der Rückflug am nächsten Tag erst für den späten Nachmittag geplant war, erkundeten die Gruppenmitglieder am letzten Tag der Reise auf eigene Faust erneut die Altstadt von Sibiu mit dem Brukenthal-Museum, dem Hallerhaus, der Katholischen und der Evangelischen Kirche, dem Filek-Haus, den Resten der Stadtbefestigung sowie der Schiller-Buchhandlung, die ausschließlich deutschsprachige Bücher anbietet.

Eine trotz des ungünstigen Wetters beeindruckende Wanderwoche im  Fagarasch- Gebirge ging damit zu Ende. Bären und Wölfe, die es in diesem Teil der Karpaten in großer Zahl gibt, wurden allerdings nicht gesichtet – sie sind viel zu menschenscheu. Auch Graf Dracula und andere Vampire ließen sich nicht blicken (vielleicht hatten auch einige Teilnehmer/innen  zum Schutz davor Knoblauchzehen in ihrem Rucksack ?). Dafür bot sich der archaisch anmutende Anblick von großen Schafherden, die zum Schutz vor Wölfen von schneeweißen Wolfshunden bewacht wurden.

In der darauf folgenden Woche absolvierte eine zweite Gruppe mit 13 Personen einen im Wesentlichen identischen Tourenablauf, allerdings bei deutlich besserem Bergwetter. Die zweite Gruppe bestieg den Suru-Gipfel (2283 m), stieg jedoch vom Avrig-See zur Barcaciu-Hütte (1550 m) ab und querte dann bei gelegentlichem Gebrüll der versteckt im Wald hausenden Bären hinüber zur Negoiu-Hütte (1546 m). Die Negoiu-Besteigung verlief genauso wie bei der ersten Gruppe. Vom Balea-See wurde dann der Vanatarea lui Buteanu (2507 m) bestiegen, bevor die Gruppe über den Capra-See wieder zum Balea-See zurückkehrte und von dort mit dem Kleinbus nach Sibiu zurückfuhr.  Fast ohne Nebel, Sturm und Regen präsentierte sich das Fagarasch-Gebirge der zweiten Gruppe von seiner besten Seite – wie man auf den Fotos sehr gut sieht. Die Erzählungen über den Ablauf dieser zweiten Tour machten die Mitglieder der ersten Gruppe richtig neidisch, so dass der eine oder andere wohl insgeheim beschloss, dieses wirklich noch ursprüngliche Gebirge in einer bei uns eher unbekannten Gegend Europas nochmals bei besseren Wetterbedingungen zu besuchen.

Die Bilder der 1. Gruppe

Die Bilder der 2. Gruppe

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