Flusswanderung von Bayerisch Eisenstein zum „Haus zur Wildnis“ bei Ludwigsthal

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Der Regen, der bei Regensburg in die Donau mündet, hat das größte Flusseinzugsgebiet des Bayerischen Waldes. Seine Bedeutung wird dadurch unterstrichen, dass eine Stadt – und nach ihr sogar ein ganzer Landkreis – nach ihm benannt ist. Und trotzdem stammt der Name “Regensburg“ nicht vom Fluss „Regen“ ab, sondern von „Regina Danubiae“ – „Königin der Donau“. Namensähnlichkeit täuscht manchmal. Es sei wie es sei.

Die Bayerwäldler lieben im Großen und Ganzen ihre Regenflüsse. Schließlich laden sie nicht nur Wanderer und Angler – besonders „Fliegenfischer“ – dazu ein, an und in ihm das Rauschen und die glitzernden Lichtspiele zu genießen, die vor allem die Morgensonne über dem Fluss zaubert. Doch einigen Touristiker und Politikern bereitet sein Name Kopfzerbrechen. „Landkreis Regen“ – das klingt dann doch für manche Ohren zu sehr nach „Schlechtwetter“. Und so überlegte man vor ein paar Jahren sogar, ob man den Landkreis umbenennen solle in „Arberland“, nach dem „König“ des Bayerischen Waldes. Doch das wäre dann doch zu teuer, zu aufwändig gewesen. Also einigte man sich auf einen Kompromiss: Verwaltungstechnisch heißt der Landkreis weiterhin Regen, nur die Touristiker und sonstige Werber nennen das Gebiet „Arberland“ oder „Nationalparkregion Bayerischer Wald“.  Auch wenn der Nationalpark über zwanzig Kilometer entfernt sein sollte, ist er für viele Gemeinden das beste Lockmittel. Es sei wie es sei!

Zurück zu unserem eigentlichen Thema: dem Bayerwaldfluss „Regen“. Bevor der Fluss bei kurz vor Blaibach zum „Regen“ wird, ist er am Rachel der „Kleine Regen“, in Bayerisch Eisenstein der „Große Regen“ und am Kleinen Arbersee der „Weiße Regen“. Großer und Kleiner Regen vereinigen sich in Zwiesel zum Schwarzen Regen. So viel zum Regenflusssystem. Uns interessiert heute nur der Große Regen von Bayerisch Eisenstein bis Ludwigsthal.

Am besten fahren wir mit dem Zug, der „Waldbahn“, nach Bayerisch Eisenstein, gehen vom Grenzbahnhof auf der Bahnhofstraße ortseinwärts, biegen nach dem Lokschuppen des Localbahnmuseums rechts in die Hohenzollernstraße, dann gleich wieder links in den Anton-Pech-Weg ab und erreichen den eigentlichen Ausgangspunkt unserer Tour, den Wanderpark. Wer hier an Fitnessparcours denkt oder an interaktive Stationen zum Thema „Wandern“, könnte jetzt enttäuscht sein. Ein paar Nationalpark-Infotafeln über das Eisensteiner Tal, eine Wanderkarte – das reicht. Dazu ein kleiner Teich, auf dem sich Enten tummeln… Wer richtig wandern will, quere nun den Großen Regen und folge ihm abwärts, vorbei an einer Überblickskarte zum Fernwanderweg „Goldsteig“ und unter die B 11-Brücke hindurch zum Wehr. Der – leider öfters ziemlich schmutzig wirkende – Kanal führt uns am Ende schnurstracks zum ersten Flusskraftwerk – das der Hohenzollern -, das u.a. den von der Arberbergbahn und deren Schneekanonen benötigte Strom hergestellt. Ein Stückchen in Richtung Bundesstraße marschiert, über die Regenbrücke und dann rechts der Markierung „Flusswanderweg“ gefolgt.

Apropos „Brücke“: Fischotter werden wir heute wahrscheinlich keine beobachten können. Die schlanken, wendigen Wassermarder sind meistens sehr scheu, durchstreifen ihr Quartier, das bis zu 15 Flusskilometer umfassen kann, nur nachts. Daher nützen Fischotterforscher ihre Angewohnheit, Brücken nie im Wasser zu durchschwimmen, sondern vor der Brücke an Ufer zu gehen, mit Hilfe ihres Kots den einen oder anderen Stein am Ufer zu markieren und nach der Brücke wieder ins Wasser zu rutschen. Solche Otterrutschen lassen sich im Schnee, aber auch in der warmen Jahreszeit, leicht erkennen, manchmal findet man sie auch weit abseits der Brücken. Im Fischotter-Kot, der mit zunehmendem Alter schnell gräulich-bröcklig wird, kann man noch glänzende Fischschuppen oder –gräten erkennen. Außerdem riecht er nach Moschus: Manche Menschen mögen diesen Geruch, andere sagen, er stinkt. Wieder andere haben Glück: Obwohl der Geruch sehr intensiv ist, können sie ihn einfach wahrnehmen! Fischotterpfotenabdrücke – Kenner bezeichnen sie als „Fischotterfährte“ – erkennt man daran, dass sie aus fünf Zehen bestehen. Auch die Schwimmhäute lassen sich manchmal erahnen. Einfacher und deutlich sichtbar auch für Nicht-Naturforscher sind die Spuren, die ein anderes Wasser bewohnendes Säugetier am Ufer hinterlässt: Der gut genährte Biber mit seinem platten Schwanz, „Biberkelle“ genannt. Die Stümpfe der von ihm gefällten Bäume erinnern uns an einen gespitzten Bleistift. Sogar seine Zahnabdrücke sind leicht zu erkennen! Da der Biber Vegetarier ist und in kalten Winter viele grüne Pflanzen mit einem dicken Pelz aus Eis und Schnee bedeckt sind, begnügt er sich in dieser Zeit mit Baumrinde. Vor allem aber wegen seiner ganzjährigen Bautätigkeit ist er bei einigen Waldbesitzern und Bauern ziemlich unbeliebt. Wir persönlich sagen: Er gehört zur Natur dazu. Und gegen Biberverbiss helfen einfache Mitteln, die von den Behörden finanziell gefördert werden können…

Vielleicht habt Ihr auf Bildern schon mal seine orangefarbenen langen Vorderzähne gesehen. Diese Verfärbung ist nichts anderes als Rost! Im Laufe der Entwicklung allen Lebens – der „Evolution““ – haben es die Biber besonders leicht gehabt, die möglichst viel Eisen aus ihrem Blut in ihre Zähne verlagern konnten. Heute sind ihre Beißwerkzeuge daher besonders hart, brechen nur sehr selten. Und in diesem Fall wachsen sie Gott sei Dank wieder nach! Schließlich wäre eine Zahnlücke für den tierischen „Flussbaumeister“ ja lebensbedrohlich! Ja, die Natur hat schon vieles sehr weise eingerichtet….

Trotz dieser philosophisch anmutenden Gedanken sollten wir auf den Weg achten und uns nicht davon täuschen lassen, dass sich unser Wanderpfad auf Höhe der Arberhütte, dann, wenn wir eine Fahrstraße gequert haben, zum Forstweg erweitert. Langsam, langsam wird es lauter und lauter: ein gleichmäßiges Klappern. Was – fragen wir uns – könnte das sein? Richtig! Ein Mühlenrad. Anders als das, das wir aus dem Kinderlied kennen, treibt es jedoch keinen Getreidemahlstein an. Das wäre auch viel zu unpraktisch, müsste man doch die schweren Körnersäcke von weit her und schließlich über den engen Forstweg karren. Hier wird über eine Turbine die Wasserkraft in Strom umgewandelt.

Weiter geht’s zur Seebachschleife. Auch hier betreibt ein gewiefter Ingenieur eine alte Turbine zur Stromgewinnung. Früher, als im Bayerischen Wald noch die Glasindustrie weit verbreitet war, beherbergte das heutige Turbinenhaus eine Spiegelschleiferei, zwischen 1919 und 1929 stellte die Regener Firma Rodenstock hier Linsen her. Ab 1933 diente das Gebäude nur noch der Stromgewinnung. Wir queren die Straße und marschieren weiter am Regen entlang.

Kurz vor unserem nächsten Zwischenziel – Regenhütte – konnten wir früher häufig und mit etwas Glück noch heute – auf den Steinen im Fluss eine Wasseramsel beobachten.

Wem der Magen bereits jetzt zu sehr knurrt, dem empfehlen wir – wenn Corona es zulassen sollte – in Regenhütte eine Einkehr in der Museumsgaststätte des Tiermuseums. Die Riesenwindbeutel sind in der Region bekannt! Doch Vorsicht! Einigen Tierfreunden soll beim Anblick der im Museum ausgestellten ausgestopften Tiere schnell der Appetit vergangen sein. Für diese Mägen sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt, dass der kleine Ort – wie man aus dem Namen schließen kann – mit Hilfe einer im Jahr 1750 errichteten Glashütte, quasi einer „Zweigstelle“ des Glashüttenguts Rabenstein“ entstand. Zweimal – 1871 und 1873 – brannte die Glashütte ab, wurde aber wieder aufgebaut. 1986 meldete die Regenhütter Glasfabrik Konkurs an, erst 2011 aber komplett geschlossen. Seitdem verfällt das Gebäude. So viel in kürze. Einheimische mögen mir verzeihen, dass wir – genau wie im Falle „Seebachschleife“ – nicht auf die wechselnden Besitzer eingegangen sind. Doch die könnten wir uns auf die Schnelle eh nicht merken! Uns zieht es weiter zum „Haus zur Wildnis“ oder – wer schon müde ist – zur Waldbahnhaltestelle „Ludwigsthal“.

Letztere können hier in den normalerweise stündlich verkehrenden Zug nach Bayerisch Eisenstein oder in Richtung Plattling steigen, erstere könnten sich, da sie nun schon so weit marschiert sind, auch etwas Zeit fürs Tierfreigelände nehmen – wenn’s dort nicht allzu voll und damit zu stressig wird…
Nähere Infos zu den Öffnungszeiten des Tierfreigeländes

Navi: Wanderpark in Bayerisch Eisenstein, Anton-Pech-Weg, 94252 Bayerisch Eisenstein
Bahnhof: Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein
Strecke einfach (ohne Besuch des Tierfreigeländes Ludwigsthal): Bayerisch Eisenstein-Bahnhof Ludwigstal: 10 km, 3 Std.

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1 Kommentar

  1. Christian Hölzle on

    Hallo!
    Eine sehr schöne Tour! Gibt es die Möglichkeit noch eine Karte mit dem eingezeichneten Weg nachzureichen? Ich würde die Tour gerne in umgekehrter Richtung machen und bin mir aus dem Text nicht ganz klar geworden wo genau der Weg vom Bahnhof nach Regenhütte verläuft. Vielen Dank schon mal!

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