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Aus Liebe zum Wasser – zwischen Alpen und Himalaya

Filmvortrag „Blue Source“

15.–17. Februar 2027 | ScharfrichterKino Passau

Von der Quelle hoch im Himalaya bis zum Golf von Bengalen erkundet der Dokumentarfilm Blue Source den heiligen Ganges. Der Film verbindet spirituelle und wissenschaftliche Sichtweisen auf das Wasser und den Fluss und geht der Frage nach, was wir über den Umgang mit unserer wichtigsten Lebensgrundlage lernen können.

 

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Foto: Sandra Kunz

Wasser ist Leben. Wasser ist Beziehung. Wasser ist Dankbarkeit.


Wasser ist für uns selbstverständlich – bis zu jenem Moment, in dem es fehlt. Dann wird aus einem Satz eine Erfahrung.


Für unsere Vereinskollegin Sandra begann eine solche Erfahrung bei einer Wanderung zum Kleinen Gilfert im Zillertal. Gemeinsam mit ihrer Mutter verlor sie die Wegmarkierungen. Aus der Bergtour wurde ein langer Umweg, die Trinkflaschen waren leer, keine Quelle in Sicht. Erst weit unten im Tal floss kaltes Wasser aus dem Berg. Sie tranken lange und schweigend.


„Das Wasser war nicht einfach nur erfrischend. Es war kostbar.“


Heute verbringt Sandra viel Zeit im Himalaya. Ihr Partner Kapil lebt dort, ist Bergführer und Hindu. Aus seiner tiefen Verbundenheit mit den Bergen begleitet er Menschen zu den Quellgebieten der heiligen Ganga, des Ganges – zu Orten von großer religiöser Bedeutung und zugleich zu einer der eindrucksvollsten Berglandschaften der Erde.

Foto: Shane McMillan / H2Org

Die Ganga – heilig und bedroht


Die Ganga ist für Hindus weit mehr als ein Fluss. Sie ist Mutter, Lebensspenderin und göttliche Kraft. Zweimal täglich findet die Ganga Aarti statt: Menschen singen, verneigen sich und bringen Blumen, kleine Lichter und Gebete der Dankbarkeit zur Ganga.


Sandra berührt dabei besonders, mit welcher Achtung Wasser behandelt wird – nicht als Besitz, sondern als Geschenk des Lebens.


Doch neben Schönheit und Spiritualität begegnet ihr auch eine andere Seite der Ganga: das Müll- und Plastikproblem, das den Fluss an vielen Orten belastet.


„Es ist kein indisches Problem – es betrifft uns alle.“


Aus dieser Erfahrung und der gemeinsamen Frage, wie sie selbst einen Beitrag leisten können, entsteht zusammen mit H2Org das Projekt Blue Source India.

Foto: Sandra Kunz

Wissenschaft trifft auf Erfahrung


Für das Projekt wird Prof. Dr. Andreas Fath eingeladen. Viele kennen ihn als den „schwimmenden Professor“. Der Chemiker und Professor für Chemie an der Hochschule Furtwangen hat bereits Rhein, Elbe, Tennessee River und Donau durchschwommen, um auf den Zustand unserer Gewässer aufmerksam zu machen.


Sein Ansatz: Wissenschaft soll Menschen nicht nur über Fachbegriffe erreichen. Sie soll erlebbar werden.


„Das Schwimmen ist das Transportmedium für Wasserbotschaften.“


In der Verbindung von Sport, Wissenschaft und Bildung möchte Andreas Fath Menschen neugierig machen: Warum schwimmt ein Professor durch einen Fluss? Was findet er dort? Wie sieht das Wasser aus? Was schwimmt darin?


Denn seine Erfahrung zeigt: Wenn Wissen mit eigenen Erlebnissen und Emotionen verbunden wird, bleibt es im Gedächtnis.

Foto: Sandra Kunz

Blue Source India


Gemeinsam mit dem Filmteam reist das Team von Blue Source India in den Himalaya und entlang der Ganga bis nach Haridwar.


Dabei stehen nicht allein Messwerte im Mittelpunkt. Das Team begegnet Schülerinnen und Schülern, Lehrern und Studierenden, Ashramführern und vielen anderen Menschen, die eine besondere Beziehung zum Fluss haben.


Es geht darum, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen: Wie kann ein Fluss gleichzeitig als Gottheit verehrt und vielerorts wie ein Abwasserkanal behandelt werden?


Wasserproben werden von der Quelle bis zur Mündung des Ganges genommen und auf Schadstoffe und Mikroplastik untersucht. Dazu kommen Workshops, Clean-ups und Bildungsangebote.


Auch Andreas Fath schwimmt – unter anderem in Rishikesh, Haridwar und Varanasi. Den gesamten Ganges zu durchschwimmen, erwies sich dagegen als keine sinnvolle Option: Die mikrobiologische Belastung ist in manchen Bereichen zu hoch.

Foto: Sandra Kunz

Wenn aus einem Cleanup eine Begegnung wird


Bei einem kleinen Cleanup an einer Uferstraße sammeln Sandra, Kapil und das Team Plastikmüll ein. Einige junge Vespa-Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer halten neugierig an. Sie wollen wissen, was dort passiert.


Ein kurzes Gespräch genügt – und plötzlich machen sie mit.


„Es braucht nicht immer große Kampagnen. Manchmal reicht ein Beispiel, eine Erklärung und die Gelegenheit, selbst aktiv zu werden.“


Eine andere Begegnung entsteht eher zufällig. In Haridwar fällt kurzfristig der Besuch einer Schule aus. Stattdessen trifft das Team beim Frühstück auf Schülerinnen aus Pune.


Der Dokumentarfilmer Shane McMillan erkennt die Chance. Kapil fragt die Direktorin, ob Andreas Fath mit den Schülerinnen sprechen darf. Kurz darauf werden Tische zusammengeschoben – und aus dem Frühstück wird eine spontane „Stand-up-Teaching“-Stunde.


Mit einigen Gegenständen erklärt Andreas Fath anschaulich, was Mikroplastik ist, wo es entsteht, welche Eigenschaften es besitzt und welche Risiken, aber auch welche technischen Anwendungen damit verbunden sind.

Die Wertschätzung der Schülerinnen für Bildung beeindruckt ihn tief.

Foto: Sandra Kunz

Was man liebt, das schützt man


Für Andreas Fath liegt darin ein wichtiger Schlüssel für den Gewässerschutz:


„Was man liebt, das schützt man. Doch bevor man sich verlieben kann, muss man kennenlernen.“


Deshalb setzt H2Org auf Bildung und unmittelbares Erleben. Die interaktiven Lehrmodule der Wissenswerkstatt verbinden Beobachten, Experimentieren und eigenes Handeln. Wandern, Bergsteigen, Radfahren oder Schwimmen werden mit Wissensvermittlung verbunden.


Muskelarbeit verbunden mit Kopfarbeit.

Die Erfahrungen aus dem Projekt „Rheines Wasser“ zeigen, welches Potenzial darin steckt. 2014 schwamm Andreas Fath den Rhein in 25 Tagen von der Quelle bis zur Mündung. Wasserproben, Interviews und die mediale Begleitung machten die Aktion zu einem viel beachteten Bildungsprojekt. Später folgten Projekte an Elbe, Tennessee River und Donau.


Nun führt die Reise nach Indien.

Foto: Shane McMillan / H2Org

Wasser kennt keine Grenzen


Was in Indien in einen Fluss gelangt, ist Teil desselben globalen Wasserkreislaufs wie das Wasser der Donau, des Inns oder der Ilz.


Wasser verbindet Kontinente – und damit auch unsere Verantwortung füreinander.


Das gilt für Indien genauso wie für die Alpen.


Auf Berghütten können die Regenwasserspeicher leer sein und das Wasser nur noch tröpfchenweise aus dem Hahn kommen. Auf der Watzmannhütte hat Andreas Fath selbst erlebt, wie dann überlegt wird, welche Gerichte sich mit möglichst wenig Wasser zubereiten lassen.


In unseren Städten läuft Regenwasser dagegen häufig zu schnell ab, anstatt im Boden zu versickern und zur Grundwasserneubildung beizutragen.


Und in Indien fehlen vielerorts noch flächendeckende Systeme für Abwasserbehandlung und Abfallentsorgung.


Dabei gibt es Lösungen: moderne Abwasserbehandlung, Kunststoffrecycling, Renaturierung, Rückhaltesysteme und zusätzliche Reinigungsstufen ebenso wie die Behandlung und Wiederverwendung von Grauwasser.


Die Frage ist deshalb nicht, ob wir Lösungen entwickeln können. Viele davon existieren längst.


Die entscheidende Frage lautet: Setzen wir sie schnell genug um?

Foto: Sandra Kunz

Der Film „Blue Source“


Diese Fragen stehen auch im Mittelpunkt des Dokumentarfilms Blue Source.


Von der Quelle hoch im Himalaya bis zum Golf von Bengalen erkundet ein Team von Wasserbegeisterten den heiligen Ganges. Kann dieser Lebensstrom in einem Land voller Kontraste und Widersprüche zugleich heilig und stark verschmutzt sein? Was kann das Team von dieser Reise mit nach Hause nehmen – und was lässt es vielleicht zurück?


Der Film fängt die Geschichten von Menschen ein, die dem Fluss besonders nahe sind – im Alltag ebenso wie in ihrer spirituellen Praxis.


Spirituelle und wissenschaftliche Sichtweisen auf Wasser und den Fluss werden dabei nebeneinandergestellt:

Was verbindet diese Perspektiven? Wo unterscheiden sie sich? Und was könnte das für die Zukunft des Flusses bedeuten?

Regisseur und Team


Regisseur, Kameramann und Fotograf Shane McMillan hat für seine Arbeit mehr als 35 Länder bereist. Zu seinen jüngsten Regiearbeiten gehören die Dokumentarserie Queer Pop (3sat/ZDF) und der abendfüllende Dokumentarfilm Bis ins Meer.


Der Film Blue Source entsteht in Zusammenarbeit mit H2Org, einem gemeinnützigen Verein, der sich für gesunde, lebendige Gewässer und eine plastikfreie Natur einsetzt. H2Org setzt vor allem auf Bildung: Mit interaktiven Programmen, Kampagnen und Expeditionen macht der Verein die Bedeutung sauberer Flüsse erlebbar.

Foto: Sandra Kunz

Filmvortrag in Passau


Vom 15. bis 17. Februar 2027 wird der Dokumentarfilm im ScharfrichterKino Passau gezeigt.


Prof. Dr. Andreas Fath und Sandra werden an diesen Abenden anwesend sein und im Anschluss mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch kommen.


Wir laden herzlich dazu ein, das Projekt, den Film und die unterschiedlichen Perspektiven auf eine unserer wichtigsten Lebensgrundlagen kennenzulernen.


Denn je länger Sandra zwischen den Alpen und dem Himalaya unterwegs ist, desto mehr entdeckt sie eine gemeinsame Sprache vieler Kulturen und Religionen:

Wasser.
Wasser ist Beziehung.
Wasser ist Dankbarkeit.
Wasser ist Leben.

Und für Andreas Fath ist Wasser mehr als eine chemische Verbindung aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom:

Aus Liebe zum Wasser.

Foto: Shane McMillan / H2Org