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Klettersteigkurs in den Dolomiten: Zwischen Gipfeln, Stollen und Schaf-Tretminen

9 Teilnehmer, 3 Trainer, 4 Tage Klettersteig, jede Menge Höhenmeter und ein überraschend unterhaltsames Alternativprogramm. Unser Klettersteigkurs vom 9. bis 13. September in den Dolomiten war eine abwechslungsreiche Mischung aus alpinem Lernen, beeindruckenden Touren und einer großartigen Gemeinschaft.

Die Trainer

Ankommen, Kennenlernen und analoge Tourenplanung

Am 9. September trafen sich alle Teilnehmenden und Trainer am Nachmittag in unserer Unterkunft in Canazei. Nach dem Kennenlernen folgte die erste unerwartete Herausforderung: Der Netzempfang war praktisch nicht vorhanden und auch das WLAN ließ uns ziemlich im Stich. Die Tourenplanung wurde daher kurzerhand analog erledigt. Mit ausgedruckten Topos und ganz ohne digitale Unterstützung. Ein gutes Learning gleich zu Beginn: Auch im Tal sollte man sich nicht immer auf das Internet verlassen.


Da für die kommenden Tage einiges an Regen vorhergesagt war, entschieden wir uns, das erste regenfreie Zeitfenster optimal zu nutzen und am nächsten Tag den Col-Rodella-Klettersteig zu begehen.

Ausblick vom Hotel

Col Rodella: Der erste gemeinsame Klettersteig

Am nächsten Morgen konnten wir tatsächlich das angekündigte Regenfenster perfekt ausnutzen. Bei guten Bedingungen sammelten wir am Col Rodella unsere erste gemeinsame Klettersteigerfahrung. Nach der Tour folgte am Gipfel die erste Praxiseinheit: Zwischen zwei Stahlträgern wurde improvisiert, und jeder Teilnehmer durfte sich am Prusikknoten versuchen.

Da wir den Regen bereits förmlich riechen konnten, bauten wir zügig ab und stiegen zur Hütte ab, wo wir uns stärkten. Zurück in der Unterkunft erkundeten einige den Wellnessbereich mit Sauna und Whirlpool. Am Abend stand ein inkludiertes Gala-Dinner auf dem Programm. Kulinarisch war es durchaus in Ordnung. Nur die Abendgarderobe hatten wir vorsichtshalber zu Hause gelassen. Ein klassischer Gala-Auftritt war es also eher nicht.

Trincee-Klettersteig: Kriegsgeschichte und Marmolada-Blick


Für den nächsten Tag fiel die Wahl auf den Trincee-Klettersteig.

Obwohl die Wetterprognose insgesamt recht freundlich war, sorgte die Bewölkung dafür, dass der Fels noch nass war. Da der Einstieg bereits die Schlüsselstelle des Klettersteigs darstellt, teilten wir die Gruppe in zwei Teile auf. Ein Teil konnte später über einen Notausstieg in den Klettersteig einsteigen.

So konnten alle Teilnehmer den Höhepunkt der Tour erleben: einen rund 300 Meter langen Kriegsstollen, der eindrucksvoll an die Geschichte des Ersten Weltkriegs in den Dolomiten erinnert. Aber auch vor und nach dem Stollen bot die Tour großartige Ausblicke auf die Marmolada.

Nach der Tour stärkten wir uns wieder auf einer Hütte. Der anschließende Abstieg hielt dann noch eine ganz besondere Überraschung bereit: Eine Schafherde hatte denselben Weg gewählt wie wir. Die Tiere hinterließen dabei großzügig ihre Spuren und machten den Abstieg zu einem kleinen Hindernislauf. Sagen wir es so: Trittsicherheit war an diesem Tag nicht nur am Fels gefragt.

Vor dem Hotel folgte noch eine Nachsicherungseinheit. Alle Teilnehmer konnten das Einlegen eines HMS sowie das improvisierte Nachsichern praktisch ausprobieren. Während der Übung setzte schließlich heftiger Regen ein. Davon ließen wir uns aber nicht abhalten und schlossen die Einheit erfolgreich ab. Am Abend wurde gemeinsam gegessen und anschließend UNO gespielt. Dabei flossen einige Tränen – allerdings ausschließlich vor Lachen. Die Stimmung in der Gruppe war hervorragend.

Piz Boè und Pisciadù: Zwei Gruppen, zwei großartige Touren


Für den nächsten Tag entschieden wir uns, die Gruppe aufzuteilen: Eine Gruppe nahm den Cesare-Klettersteig auf den Piz Boè in Angriff, während die andere den etwas leichteren, landschaftlich aber ebenso beeindruckenden Pisciadù-Klettersteig wählte.

Da die Sella-Runde an diesem Tag aufgrund eines autofreien Tages für den motorisierten Verkehr gesperrt war, mussten wir etwas früher aufbrechen. Das klappte perfekt, und beide Gruppen erreichten rechtzeitig ihre Ausgangspunkte.

Die beiden Touren boten jeweils ein tolles Bergerlebnis. Während eine Gruppe einen 3.000er bestieg – für einige Teilnehmer das erste Mal in dieser Höhe – genoss die andere Gruppe die landschaftlichen Highlights des Pisciadù-Klettersteigs. Die Bilder sprechen für sich. Alle Teilnehmer meisterten ihre Touren mit Bravour und wuchsen dabei sichtbar über sich hinaus. 

Nach einem weiteren gemeinsamen Abendessen ließen wir den Tag mit einigen Runden UNO ausklingen. Die Lachmuskeln wurden erneut ordentlich beansprucht.

Praxis zum Abschluss: Nachsichern und Expressflaschenzug

Am Abreisetag hatten wir noch einmal Glück: In Wolkenstein fanden wir einen Kletterfelsen, der sich hervorragend für unsere abschließenden Praxiseinheiten eignete. 

Der dortige Sportklettergarten verfügt auch über einen kurzen B/C-Klettersteig, an dem wir realitätsnah verschiedene Nachsicherungsszenarien üben konnten.

In rund zwei Stunden konnten die Teilnehmer das Einlegen eines HMS, das Nachsichern, den Expressflaschenzug und den Schleifknoten praktisch ausprobieren und festigen. Die Anlage bot dafür ideale Bedingungen, und alle konnten die Techniken mit viel Engagement anwenden. 

Kurz nach Mittag machten wir uns auf den Weg zu unseren Autos und traten die Heimreise an.

Ein gelungener Kurs mit einer tollen Gruppe


Hinter uns liegen vier abwechslungsreiche Tage mit beeindruckenden Klettersteigen, wertvollen Praxiserfahrungen und einer Menge Spaß. Jeder Teilnehmer war auf seine Weise eine Bereicherung für die Gruppe, und gemeinsam haben wir eine tolle Zeit in den Dolomiten erlebt.


Bis auf zwei bis drei kleinere Schürfwunden an Knie oder Ellenbogen verlief der Kurs reibungslos und unfallfrei. Auch das anfangs wenig vielversprechende Wetter zeigte sich glücklicherweise von seiner besseren Seite.


Besonders bewährt hat sich unsere offene Kursplanung: Wir hatten stets einen Plan, blieben aber flexibel und entschieden gemeinsam, welche Touren und Inhalte unter den jeweiligen Bedingungen am sinnvollsten waren. Genau diese Mischung aus Vorbereitung, Flexibilität und gemeinsamer Entscheidungsfindung machte den Kurs zu einem rundum gelungenen Erlebnis.


Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmer für eure Motivation, euer Vertrauen und die großartige Stimmung. Wir freuen uns auf viele weitere gemeinsame Abenteuer am Berg!


Text und Bilder: Gabriela Mayer

16.09.2026