Tag 1 – Anreise und Aufstieg zur Lienzer Hütte
Los geht’s am 2. August, einem sonnigen Sonntagmorgen in Passau im 9-Sitzer-Bus Richtung Lienz.
Ich bin zum ersten Mal bei einer mehrtägigen Hüttentour dabei und voller aufgeregter Vorfreude.
Glücklicherweise sind auch zwei meiner Freundinnen bei dieser sehr begehrten Tour dabei.
Mit unserer Wanderleiterin Brigitte sind wir 7 Frauen und 2 Männer.
Unser Fahrer Peter bringt uns sicher zum Parkplatz Seichenbrunn und lässt sich auf den letzten 15 Kilometern im Debanttal, vom unbefestigten, schmalen und steilen Weg nicht aus der Ruhe bringen.
Für die erste Etappe zur Lienzer Hütte nehmen wir nicht die Forststraße sondern den etwas längeren, schöneren Wanderweg und überqueren mehrmals den Debantbach. Mit jedem Schritt lassen wir unseren hektischen Alltag hinter uns und tauchen ein in die herrliche Bergwelt. Nach knapp zwei Stunden und 300 Höhenmetern sehen wir schon die idyllisch gelegene Lienzer Hütte auf 1977 m Seehöhe. Mittlerweile sind Wolken aufgezogen und wegen dem vorhergesagten Regen mit Gewitter verzichten wir darauf, noch eine Wanderung zum 600 m höher gelegenen Gartlsee zu machen. Bei Kaffee und Kuchen genießen wir dafür den Blick auf die umliegenden Gipfel. Nach dem leckeren Abendessen vergeht die Zeit schnell in der gemütlichen Stube bis zur Hüttenruhe um 10 Uhr.
Tag 2 – Von der Lienzer Hütte zur Elberfelder Hütte
Am nächsten Morgen scheint wieder die Sonne für uns auf unserer ersten Tagesetappe durch die hochalpine Landschaft. Und gleich geht es mäßig bergan bis zum ersten Höhenrücken auf dem die Freunde vom Debanttal ein Wegkreuz mit einladender Sitzbank davor errichtet haben. Weiter geht der Weg nach oben begleitet von kleinen Bächen. Das Wasser sprudelt hier nur so aus dem Berg heraus . Die immer grandioseren Ausblicke sind jede Mühe wert. Wir sind begeistert vom Salzplattensee und steigen dann über felsiges Gelände hinauf zur Gössnitzscharte (2732 m).
Hier ist der perfekte Platz für eine Pause, bevor es auf der anderen Seite über ein Geröllfeld nach unten geht, Wir schauen nachdenklich auf die noch vorhandenen Teilflächen des Gössnitzkees, das vor 150 Jahren wohl viermal so groß war. Dann flattert ein Schneehuhn auf, meine Erstsichtung. Weiter unten liegt der Gössnitzkeessee und am Ufer seines Abflusses fotografieren wir die vielen weißen Büschel des Wollgrases. Gleich darauf sehen wir die Elberfelder Hütte auf 2346 m, die mit ihren frisch gestrichenen rot-weißen Fensterläden und den bunten tibetischen Gebetsfahnen einladend vor uns liegt.
Nach fast 7 km, 800 m Aufstieg und 400 m Abstieg sind wir froh, unser Gepäck ablegen zu können. Frisch gestärkt wollen wir noch eine kleine Wanderung zum ca. 2,5 km entfernten Hinteren Langtalsee machen, mit wenigen Höhenmetern. Der schwere Rucksack kann in der Hütte bleiben. Gemütlich auf der Wiese am Seeufer ausruhend, werden wir von Regentropfen aufgeschreckt. Zum Glück haben wir unseren Regenschutz dabei, den wir aber nur heute und auch nur kurz brauchen.
Auf dem Rückweg hören wir Murmeltiere pfeifen und bekommen auch ein stattliches Exemplar zu sehen.
Nach einem vorzüglichen Abendessen beenden wir den Tag auf der Terrasse bei untergehendem Tageslicht mit Blick auf die traumhafte Bergwelt.
Tag 3 – von der Elberfelder Hütte zur Adolf-Nossberger-Hütte
Ab jetzt begehen wir den sogenannten Wiener Höhenweg. Den Tag heute hat unsere Wanderleiterin als die anspruchvollste Etappe beschrieben. Wir müssen die Hornscharte bewältigen, um zur Adolf-Nossberger-Hütte zu kommen. Da ich mir meiner Schwindelfreiheit nicht so sicher bin und dies meine erste Passage mit dieser Schwierigkeit ist, habe ich Gurt und Klettersteigset eingepackt. Zuerst gehen wir moderat und später steiler Richtung Hornscharte hoch und irgendwann entdeckt der erste in unserer Gruppe den Großglockner hinter uns, ein fantastischer Anblick.
Jetzt steigen wir ein in das seilversicherte Blockwerkgelände, gut gerüstet mit Helm und Handschuhen und ich mit meiner Klettersteigausrüstung. Mit den wertvollen Tipps meiner Begleiter Anna und Andreas vor und hinter mir und gesichert in den Seilen, komme ich voran. Ich frage mich nur, wie meine Freundinnen vor mir das ohne Sicherung machen. Aber auch sie werden gut geführt von den erfahrenen Bergsteigern unserer Gruppe.
Auf der Hornscharte, auf 2958 m angekommen, fallen wir uns erstmal glücklich in die Arme. Doch bald sehen wir, dass es auf der anderen Seite ähnlich schwierig wieder runtergeht. Aber auch das schaffen wir und auch den weiteren steilen Weg über ein Geröllfeld nach unten.
Jetzt brauchen wir eine Pause zum Verschnaufen, um die Arme und Beine zu lockern und um uns zu stärken. Der weitere Weg ist entspannter. Es geht über Serpentinen bergab, wir überqueren Rinnen und Bäche und wir können wieder die Ausblicke auf Berge und Täler genießen. Faszinierend ist auch die Farbenpracht der Bergblumen, wie z.B. das Violett des Eisenhutes, der aber wohl sehr giftig ist.
Wieder taucht ein See vor uns auf, der Vordersee und gleich danach der Mittersee und jetzt sehen wir auch schon die Adolf-Nossberger-Hütte auf 2488 m, unser heutiges Tagesziel, wunderschön am Großen Gradensee gelegen. Bis hierher waren es heute ca. 5,5 km mit ca. 800 Höhenmetern rauf und ca. 700 wieder hinunter.
Wir lechzen nach Kaffee und dem hausgemachten Kuchen, der von Hütte zu Hütte immer noch besser schmeckt.
Ein besonderes Ausstattungsmerkmal hier ist die Kaltwasser- Freiluftdusche mit goldfarbener Armatur, unter der wir uns gerne erfrischen.
Gut besetzt ist auch ein Stuhl auf einem Felsen hinter der Haus, die Stelle mit Mobilnetzempfang.
Auch auf dieser Hütte werden wir mit einem sehr schmackhaften Abendessen verwöhnt und wir legen uns zufrieden und glücklich in unsere Schlafkojen.
Tag 4 – von der Adolf-Nossberger-Hütte zur Wangenitzseehütte
Für die Frühaufsteher unter uns beginnt der nächste Tag mit einem wunderschönen Sonnenaufgang. Wir anderen sehen zumindest die Fotos davon.
Heute führt unser Weg über die Gradenscharte und das Kreuzseeschartl zur Wangenitzseehütte. Wir teilen uns in zwei Gruppen, weil einige noch den Abstecher auf den Keeskopf machen wollen.
Wir verlassen die Hütte mit schönem Blick auf den Gradensee, in dem sich die Morgensonne spiegelt.
Bald geht es steiler über glattgeschliffene Felsen bergan bis wir nach ca. einer Stunde zur Abzweigung kommen, die auf den Keeskopf hinaufführt. Unseren Rucksack lassen wir zurück und gehen so erleichtert weiter Richtung Gipfel. Gut eine halbe Stunde später sehen wir das Gipfelkreuz und ich schwelge stolz im Hochgefühl auf meinem ersten Dreitausender-Gipfel.
Das Panaroma ringsum ist überwältigend, am nördlichen Horizont sieht man den Großvenediger.
Wieder unten an der Abzweigung nehmen wir unsere Rucksäcke wieder auf und kommen bald zum nächsten malerisch gelegenen, klaren Gebirgssee, dem Eissee. Jetzt sind wir auch gleich auf der Niederen Gradenscharte in 2796 m Höhe. Von da wieder hinunter ist das erste Stück seilversichert, aber mit der gestrigen Übung in der Hornscharte nicht schwierig. Der weitere Weg zieht sich in die Länge, es geht abwechselnd hinunter und wieder hinauf, immer wieder auch mit verseilten Abschnitten und hinter jedem Bergrücken hoffen wir die Wangenitzseehütte zu sehen. Dazu müssen wir aber noch das Kreuzseeschartl (2810 m) überschreiten und jetzt werden wir mit dem schönsten Ausblick überhaupt belohnt. Der Wangenitzsee und der Kreuzsee liegen türkisblau weit unter uns.
Mittlerweile ist unsere Gruppe wieder zusammen und wir machen Rast, um diese einmalige Aussicht noch länger zu genießen zu können. Langsam ziehen Wolken auf und weil wieder Regen und Gewitter vorhergesagt sind und es zur Hütte noch ein gutes Stück hinunter ist, wird es Zeit weiter zu gehen. Die Wagenitzseehütte auf 2508 m ist die höchstgelegene Hütte der Schobergruppe und für mich die am schönsten gelegen Hütte, die ich bisher gesehen habe. Heute haben wir auf 8 km jeweils 1000 Höhenmeter rauf und runter zurück gelegt.
Dass die Kuchen von Hütte zu Hütte immer noch ein bisschen besser schmecken, hab ich schon erwähnt. Hier bleiben wir zwei Nächte und es gibt kein Mobilfunknetz, was erst etwas ungewohnt ist, aber dann unheimlich gut tut.
Tag 5 –Petzeck Gipfel
Heute steht der höchste Gipfel der Schobergruppe auf dem Programm, das Petzeck mit 3283 m, von unserer Hütte aus rund drei Stunden Gehzeit und ca.1000 Höhenmeter. Unser Hüttenwirt sagt uns, dass es schon ab 11 Uhr regnen kann, selbst in die Wetter-App schauen ist ja wegen fehlendem Internet nicht möglich.
Wir brechen nach dem Frühstück auf, und hoffen einfach das Beste. Es geht über felsiges Gelände, zum Teil mit kurzen, stahlseilversicherten Passagen und weiter hinauf über Schutt und Geröll, immer den Himmel im Blick. Werden wir auf dem Gipfel in den Wolken sein und keine Sicht haben? Kommen wir trocken wieder hinunter?
Wir steigen kurz hinab in ein Hochplateau mit Gletscherresten und dann nach knapp drei Stunden den letzten Hang hinauf zum Gipfelkreuz. Die Wolken ziehen vorbei und wir haben zumindest teilweise das großartige Panorama vor uns, zusammen mit dem erhebenden Gefühl den Gipfel erreicht zu haben. Auf dem Rückweg kommt sogar immer wieder die Sonne hervor, nur kurz bevor wir wieder bei der Hütte sind, überrascht uns noch ein kleiner Regenschauer.
Wir sind uns einig, dass es eine grandiose Tour war. Der krönende Abschluss ist noch ein kurzes Bad im etwa 15 Grad kalten, aber wunderbar klaren Wasser des Wangenitzsees.
Wieder geht ein herrlicher Tag zu Ende und damit auch schon der letzte gemütliche Hüttenabend unserer Tour.
Tag 6 – Seeumrundung, Abstieg und Heimreise
Bevor wir heute wieder zum Parkplatz absteigen, umrunden wir noch den Wangenitzsee, um den malerischen Anblick von allen Seiten genießen zu können.
Am Ende der Runde kommen wir zur spektakulären Hängebrücke, auf der wir ausgiebig Fotos vor traumhafter Kulisse machen.
Nun müssen wir aber endgültig Abschied nehmen von diesem wunderschönen Ort und hinunter gehen zum Parkplatz Seichenbrunn. Auf der Rückfahrt nach Passau kehren wir bei Salzburg zum Abendessen ein und stoßen noch einmal an auf die letzten sechs Tage, die nicht schöner hätten sein können.
Vielen Dank an unsere Tourenleiterin Brigitte für die tolle Organisation dieser Tour und für die umsichtige Begleitung zusammen mit Peter. Mit euch und allen Teilnehmern in der Gruppe war es eine sehr bereichernde Zeit, mit vielen guten Gesprächen und neuen Bergerfahrungen.
Ich freue mich schon auf weitere Touren.
Irene
Bericht: Teilnehmerin Irene
Fotos: Peter und Andreas
28.08.2026
