Bericht einer privaten Tour von Alpenvereins-Mitgliedern.



Am 18.07.2026 machten sich Sigi Lindbüchl, Kone Pfoser, Simon Leitl und Bernd Kloiber von der DAV Sektion Passau, zusammen mit weiteren Freunden auf, dem König daselbst die Ehre zu erweisen.
Wir starteten unsere Reise, schon fast traditionell, um 03:30 in Tittling. Für Kone war die Nacht noch etwas kürzer, da am Vortag noch ein Konzert mit seiner Band Pine Cone anstand. Bei Zwischenstopps in Schärding, Traunstein und Rosenheim wurden weitere Bergsteigerkollegen eingesammelt. Insgesamt zu neunt ging es weiter Richtung Südtirol.
Wettertechnisch war an diesem Wochenende alles geboten, was ein Sommertag in den Alpen so hergeben kann. Als wir gegen 11:00 Uhr den Parkplatz in Sulden erreichten, begrüßte uns die Sonne und so starteten wir unseren Hüttenaufstieg zur Julius-Payer-Hütte. Alleine schon der Hüttenzustieg in diesem Gebiet ist beeindruckend. Unterhalb der Tabarettahütte hat man einen guten Blick auf die berüchtigte Ortler Nordwand. Auch die Payerhütte kann man schon von weitem erkennen, wie sie oben auf dem 3.029 Meter hohen Felsgrat des Tabarettakamms throhnt. Diese erreichten wir glücklicherweise noch rechtzeitig vor dem angekündigten Gewitter. Aber keine Minute zu früh. So schnell konnte man den wohl verdienten Kuchen auf der Terrasse gar nicht mehr aufessen, bis man von dem aufziehenden Wind völlig durchkühlt war.
Nachdem das Gewitter vorübergezogen war, machten sich Sigi, Kone, Simon und Korbinian noch auf, um den richtigen Weg zum Gletscher bei Tageslicht zu suchen. Eine gar nicht so dumme Entscheidung, wollten wir doch aufgrund der Wetterverhältnisse am nächsten Morgen bereits um 03:00 Uhr früh aufbrechen. Selbst im hellen gibt es hier die ein oder andere Passage, bei der man sich leicht mal versteigen könnte. Vor dem Weiberschreck drehten wir wieder um. Man wollte schließlich das erstklassige Südtiroler Abendessen nicht verpassen.



Was gibt’s Schöneres, als an einem Sonntagmorgen um 02:15 Uhr aufzustehen?! Ist man mal wieder selbst in dieser Situation, fallen einem tausend bessere Sachen ein. Aber man weiß auch, welches Ziel man an diesem Tag vor Augen hat und dafür lohnt sich das definitiv. Eingeteilt in drei Seilschaften, starteten wir pünktlich um 03:00 Uhr gemeinsam unseren Aufstieg. Dass wir bereits am Tag zuvor auf Wegsuche gingen, stellte sich relativ schnell als gute Entscheidung heraus. Noch vor dem Wandl trafen wir auf zwei Italiener, die sich an einer ausgesetzten Stelle verstiegen hatten. Sie folgten dem, zumindest im dunklen, offensichtlichen Weg, was beim Ortlerzustieg aber sehr schnell zu einer großen Gefahr werden kann. Ab dem Weiberschreck ging jede Seilschaft für sich, angeführt von Kone, Sigi und Saskia Stefaniak aus Hallein.
Die folgenden Klettereien waren gut zu meistern. Der Gletscher am Bärenloch hatte bereits Mitte Juli nur noch teilweise eine Schneeauflage. Das letzte Stück vor dem Übergang auf den Fels wurde aufgrund der Steilheit sicherheitshalber mit Eisschrauben abgesichert.
Nach einer kurzen Rast am Lombardi Biwak ging es unter den ersten Sonnenstrahlen des Tages weiter hinauf Richtung Gipfel. Auch der obere Gletscher wurde durch die hohen Temperaturen bereits sehr in Mitleidenschaft gezogen. Am Gletscherabbruch, der den Übergang vom steilen Gelände auf das flachere Plateau markiert, wurde von den Bergführern ein Fixseil verbaut. Dieses ist vor allem beim späteren Abstieg ein Sicherheitsgewinn. Von da aus geht es nun die letzten ca. 300 Höhenmeter weiter zum Gipfel. Von weitem konnte man schon den Felsaufbau mit dem Gipfelkreuz erkennen. Nur noch ein paar Meter und man steht am höchsten Punkt Südtirols. Die Strapazen der vorherigen Stunden waren schnell vergessen und man freute sich innerlich schon auf den Moment, an dem man vor dem Gipfelkreuz stehen darf.
Die aufziehenden Wolken und Nebelschwaden mahnten uns zur Eile. Bereits für den Vormittag war eine hohe Gewittergefahr für das Gebiet vorausgesagt. Als wir das Felsstück des Gipfels erreichten, lag dieser bereits im dichten Nebel. Schlagartig reduzierte sich auch die Temperatur. Doch wir hatten mal wieder Glück. Es klarte zumindest für ein Foto vom Gipfelkreuz kurzzeitig noch einmal auf. Man hatte dabei auch noch etwas Zeit, die tolle Aussicht und den spektakulären Hintergrat zu bewundern.

Während wir uns für den Abstieg vorbereiteten, traf auch unsere dritte Seilschaft am Gipfel ein. Der Himmel klarte nochmal etwas auf, doch weiter in der Ferne zeigten sich bereits die nächsten dunklen Wolken. Am Gletscherabbruch kamen wir durch das verbaute Fixseil schnell nach unten, genau so wie an der Felspassage zum Bärenloch. Hier sind gute Abseilstellen eingerichtet. Pünktlich, als wir den unteren Gletscher betraten, zog die nächste Schlechtwetterfront heran. Beim weiteren Abstieg traf uns ein Graupelschauer, in der Ferne hörte man es zwischenzeitlich Donnern.
Schnellstmöglich versuchten wir, den Gletscher hinter uns zu lassen. Die Felspassagen bis zum Weiberschreck sind glücklicherweise gut mit Ketten und teilweise mit Trittstiften abgesichert. Der Fels ist hier bei Nässe sehr rutschig. An der Abseilstelle des Weiberschreck zog Wind auf und machte Regen und Graupel nochmal deutlich unangenehmer. Der Fels war Nass und rutschig, sodass an dem ausgesetzten Grat äußerste Vorsicht geboten war. Wir warteten kurz ab, berieten uns über die beste Vorgehensweise und gingen langsam von Sicherungspunkt zu Sicherungspunkt bis zum Abseilring.
Nach dem Abseilen war der schwerste Teil der Tour überstanden. Es ging weiter zum Wandl, das durch die angebrachten Ketten auch bei Nässe gut abzuklettern ist und von da aus zurück zur Hütte. Das letzte Stück zur Hütte konnten wir wieder im trockenen zurücklegen. Dort angekommen wärmten wir uns in der Gaststube auf und stärkten uns mit Spezialitäten der Südtiroler Küche. Alleine deshalb hat sich der Ausflug zum Ortler schon gelohnt.
Pünktlich zum finalen Abstieg zeigte sich die Sonne wieder und wir erreichten nachmittags sehr zufrieden das Tal.
Bericht: Kone Pfoser
Bilder: Pfoser, Lindbüchl
