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Zum Sonnenaufgang auf den verschneiten Triglav

Bericht einer privaten Tour von Alpenvereins-Mitgliedern.

…wer wann was genau zur Idee beigetragen hat, kann man im Nachhinein nicht mehr zu 100% rekonstruieren. Angefangen hat es im Spätsommer 2025, da war der Triglav auf einmal wieder präsent in den Köpfen von Kone Pfoser und Sigi Lindbüchl. Nachdem dann der erste Schnee in den Alpen fiel, war klar, dass es eine Winterbesteigung werden soll.

Somit wurde von November an mindestens einmal wöchentlich der Wetter- und Lawinenlagebericht überprüft und mit dem privaten Terminkalender abgeglichen. Am 22.04. schien es, als sollten die Bedingungen für das kommende Wochenende perfekt werden. Nachdem uns das durch Einheimische bestätigt wurde, wurde der Plan finalisiert. Kurzerhand entschied sich noch Tanja Kaiser, eine Freundin aus Innsbruck, uns zu begleiten.

Gegen Sonntag Mittag erreichten wir Kranjska Gora, das uns mit einer herrlichen Aussicht und warmen 21 Grad erwartete. Ausgestattet mit Winterausrüstung, dickem Schlafsack und Proviant für zwei Tage startete unsere Tour um 12:45 Uhr im Krma Tal. Die Frage, ob wir beim Hüttenzustieg überhaupt noch auf viel Schnee treffen, wurde uns relativ schnell beantwortet. Ab einer Höhe von 1.300 Metern waren die Wege überwiegend schneebedeckt. Der Aufstieg über die steilen Schneefelder zog sich dahin und kostete Kraft, der schwere Rucksack tat sein Übriges. Doch wenn der Blick wieder auf die umliegenden Berggipfel und das unten liegende Tal fiel, kam die Motivation schnell zurück. Nach ca. vier Stunden erreichten wir die Kredarica Hütte. Die Hütte ist in den Wintermonaten nicht bewirtschaftet, funktioniert aber als eine Art Winterraum. Die Meteorologen der Wetterstation versorgen einen bei Bedarf mit Wasser und kümmern sich um den Kachelofen, der zumindest die Gaststube gemütlich warm macht. Außerdem verraten sie einem auch den schönsten Platz um den Sonnenuntergang hinter dem Gipfel des Triglav anzusehen. Der Sonnenuntergang war nicht nur für uns spektakulär. Ganz unerwartet hatte sich an dem Tag ein Fuchs auf die Anhöhe verirrt, der sich direkt neben uns das Farbenspiel der untergehenden Sonne ansah.

Nach einer kurzen Nacht starteten wir um 04:30 Uhr als einzige Gruppe hinaus in die Kälte. Der Schnee hatte sich in der Nacht wieder gut verfestigt; perfekte Bedingungen für unser Vorhaben. Im Schein der Stirnlampen ging es die ersten Meter hoch auf den Mali Triglav. Oben angekommen setzte gerade die Morgendämmerung ein. Der Ausblick auf die darunter liegende Landschaft hatte eine ganz besondere Stimmung. Wolkenbänder, langsam einsetzendes Licht und unter Einem Schnee und Fels. Genau das, was man sich als Bergsteiger in so einem Moment wünscht. Von hier aus folgten wir dem Schneegrat auf den Hauptgipfel. Einige Kletterpassagen mussten noch überwunden werden, aber im gefrorenen Schnee fand man mit Steigeisen und Pickel sehr guten Halt. Teilweise ragten auch bereits die Stahlseile des Klettersteigs aus dem Schnee, was vor allem den späteren Abstieg etwas erleichterte.

Um 05:43 Uhr und damit genau rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang standen wir alleine am höchsten Gipfel Sloweniens in den Julischen Alpen – dem Triglav, direkt neben dem Aljaž Turm, von dem knapp die Hälfte aus dem Schnee ragte. Es war windstill und kurz darauf zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen, die die verbleibenden Wolken in die schönsten Rot- und Gelbtöne tauchten. Eine kleine Brotzeit und unzählige Fotos später ging es an den Abstieg. Dieser gestaltete sich zu unserer Freude sogar etwas leichter als gedacht. Auf dem Grad zwischen den beiden Gipfeln begegnete uns ein gut gelaunter Slowene. Ansonsten durften wir bis zur Rückkehr an der Hütte die ganze Zeit alleine unterwegs sein. Etwas, das einem am Triglav nicht oft passiert. Zurück auf der Hütte tauschten wir mit einem der Meteorologen, selbst auch Bergsteiger, noch unsere schönsten Berggeschichten aus und verabschiedeten uns wieder Richtung Tal. Keine 24 Stunden nach unserem Start am Parkplatz waren wir auch schon wieder zurück aus dem Winter Wunderland und freuen uns nun auf einen ereignisreichen Bergsommer.

Bericht: Kone Pfoser
Bilder: Pfoser, Lindbüchl, Kaiser