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4 Tage – 14 Skitourbegeisterte – 2 tolle Führer – unzählbare Genuss-Bergmomente

Schon der Titel „Genuss-Skitouren in Südtirol“ weckte große Erwartung – erfüllt wurde sie vollauf, nicht zuletzt durch die perfekte Planung und souverän kompetente Durchführung der beiden Guides Robert Michetschläger und Günter Schober. Der frühe Start aus Passau ins Vinschgau um 6 Uhr früh mit zwei Kleinbussen, in Bergklamotten und mit aufgezogenen Fellen auf den Skiern ermöglichte uns schon am Anfahrtstag die erste Skitour.
Bei Lawinenstufe 3 – wohl bedacht – stiegen wir erst durch den schützenden Wald gut 400 Höhenmeter auf. Ein erstes Kennenlernen innerhalb der Gruppe und natürlich auch ein Einschätzen der Fähigkeiten und Begeisterungsbereitschaft fürs Tourengehen wurde direkt auf die Probe gestellt – bei zweistelligen Minustemperaturen ging es noch ein Stück (knapp 300 hm) oberhalb der Baumgrenze weiter; vom eigentlichen Ziel, dem Mahderkopf (2620 m), ließen wir ab, dafür hatten wir bei eisigem Wind und geschätzt minus 15 Grad auf lawinensicherem Gelände die angestrebte Höhe sogar noch getoppt.
Halbwegs erfroren nach kurzweiliger Abfahrt lockte nun zunächst die Sauna und anschließend das feine Südtiroler Abendessen im Langtauferer Hof – spätestens hier stellte sich der Genuss des erstens Tages ein.

Tag 2 sollte uns auf über 3000 Meter Höhe zum Glockhauser (3004 m) führen.

Nach morgendlichem Check – komplette Lawinenschutzausrüstung, Harscheisen, Erste Hilfe Sets, Biwaksäcke – verließen wir gut gelaunt die Unterkunft, dieses Mal auf der Südseite des Langtauferer Tals.

Die Herausforderung des ersten Drittels der Tour bestand für unsere Kursleiter Robert und Günther darin, genug Schnee zu finden, um auf Skiern bergauf zu kommen – dies gelang entlang eines schmalen Weges durch ein kleines Seitental, bis sich ein herrlicher Kessel öffnete, umringt von 3000er Spitzen unter blitzblauem Himmel. Gämsen grüßten vom Berg und müssen sich gewundert haben, wie vergleichsweise ungeschickt und mit welch sonderbaren Hilfsmitteln wir uns bergauf bewegten.

 
Verschiedenste Tierspuren, drei Schneehühner und deren gut erkennbare Landebahn im Schnee begeisterten uns. Das zweite Drittel der Tour wurde mit einer Brotzeitpause eingeläutet, die Robert nutzte, die Schichtung des Schnees zu untersuchen – mehrere Griesel Schneeschichten waren klar zu erkennen und verdeutlichen einmal mehr die gefährliche Lawinensituation.

„Wo die Lawine droht, schützt die Wahl des Geländes“ – unter dieser Prämisse und unter steter Beobachtung der umliegenden Hänge stiegen wir weiter – nun bei mehr als ausreichender Schneehöhe. Mit jedem Schritt eröffneten sich neue Perspektiven auf die umliegende Bergwelt und die Sonne ließ die Schneekristalle glitzern. So konnten wir in wunderbarer, unberührter Natur den Gipfel erklimmen und die Aussicht kaum fassen: im Rücken die Tiroler Berge, vor Augen die Südtiroler Gipfel mit Ortler & Co und bis in die Schweizer Bernina Gruppe – das Gipfelglücksgefühl und der Ausblick – ist es nicht das, was uns all die Anstrengung sofort vergessen lässt und nahezu berauscht?

Der Gipfelschnaps gab auch den eher Aufstiegsorientierten unter uns den Mut sich in die Abfahrt zu werfen. Die Könner wedelten elegant durch den Tiefschnee gen Tal, die weniger Versierten waren froh, dass der Schnee tief und weich war…

Nach den 1200 Höhenmetern der vorherigen Tour war die Gruppe am dritten Tag zahlenmäßig zwar etwas dezimiert, aber dafür umso motivierter, das Tal auf Skiern in die Höhe hinauf zu verlassen. Das Ziel sollte die Tscheyer Scharte (2804 m) sein. Nach den ersten 300 eher schneearmen Höhenmetern erwartete uns wunderbarer, weiß glitzernder, unberührter Schnee und Robert spurte ausdauernd und zielsicher, die Lawinenlage stets im Blick, unsere Spur. Wie tags zuvor eröffnete jeder Schritt einen weiteren Blick auf das spektakuläre Alpenpanorama. So raubte nicht nur der Aufstieg, sondern auch der Ausblick den Atem!

Die Tscheyer Scharte schon im Blick, untersagten die Guides Günther und Robert den letztendlichen Aufstieg – die Schneedecke des zu durchsteigenden Hanges schien aufzubrechen, die Risse deutlich sichtbar und auch das „sich setzen“ des Schnees war immer wieder zu hören. Dieses Risiko musste nicht eingegangen werden.
Nach einer kleinen Stärkungspause in sonniger Höhe bei klarster, stiller Bergluft, ließen wir den Blick über den Horizont schweifen und konnten hinter dem Ortler im Süden bereits das schneebringende Tief des kommenden Tages entdecken.
Umso mehr genossen wir es unter blauem Himmel und mit lauten Juchzern unsere Kurven hinab ins Tal zu ziehen. Selbst das letzte Drittel des Weges, die Skier am Rucksack zurück ins Tal tragend, konnte unsere gute Laune in keiner Weise trüben. Der Tag wurde mit Sauna, Whirpool mit Blick in die Sterne und einem spektakulären Film-Vortrag über Robert und Günthers Kilimandscharo Besteigung letzten Sommer abgeschlossen.
Was konnte der vierte Tag nach derart vergnüglichen Erlebnissen noch Neues bieten?

Frischen Neuschnee!
Emsig wurde also Softshell gegen Hardshell getauscht, die Kapuzen über die Köpfe gezogen und los ging es entlang der Loipe Richtung Talschluss und Melager Alm. Von dort arbeiteten wir uns durchs Schneetreiben bergauf durch den Wald, die Sicht reichte kaum bis zum Vordermann. Gedopt mit dem ein oder anderen Gummibärchen und sicher geführt von Günter erreichten wir aber selbst in diesem dichten Schneefall die angepeilte Höhe von 2590 Meter.
Die Route hier zu finden, die Neigungen der Hänge rundherum und die Schneelage trotzdem im Blick zu behalten, war wirkliche Höchstleistung!

Und tatsächlich begleitete uns auch an unserem letzten Tag das Glück – als wir die Felle abzogen, die Helme aufsetzten und uns zur Abfahrt bereit machten, riss die Wolkendecke auf, der Sturm blies die Wolken davon und Sonne sowie blauer Himmel umfingen uns. Ein wahres Geschenk für unsere letzte, fröhliche und schwungvolle Abfahrt hinunter ins schöne Langtauferer Tal!
Text: Cäcilia Audebert
Bilder: Teilnehmer