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40 Jahre Bergfreunde Tiefenbach

Alles begann im Oktober des Jahres 1985. Drei Bergfreunde, Markus Schwarzmeier, Bernhard Peter und Alois Brand – Mitglieder in der DAV- Sektion Passau – machten sich auf den Weg nach Südtirol zum Bergsteigen. Klettersteige beidseits des Grödner Jochs standen auf dem Programm. Am ersten Tag meisterte man gleich zwei Klettersteige, vormittags die kleine Cirspitze (Cir V) und am Nachmittag unterhalb des Jochs in Richtung Corvara den Pisciadú- Klettersteig. Am zweiten Tag erfolgte der Nordanstieg über den Oscar-Schuster-Steig auf den Plattkofel. Da der Steig nicht durchgehend gesichert ist war ein gewisses Maß an Trittsicherheit erforderlich. Den Abschluss dieser ersten Klettersteigtage der Tiefenbacher Bergfreunde bildete am dritten Tag die Besteigung der Großen Cirspitze.

Die Gründungsmitglieder v.r. Alois Brand, Markus Schwarzmeier und Bernhard Peter auf der Kleinen Cirspitze.

Diese Touren in den Dolomiten mit ihren Erlebnissen sprachen sich schnell herum in Tiefenbach. Im Jahr darauf waren es schon sechs bergbegeisterte DAV- Mitglieder und in den Jahren danach bis zu 12 Teilnehmer. So kamen in den vergangenen 40 Jahren über 130 Touren auf Klettersteigen zusammen, welche die Bergfreunde bis zu den Schwierigkeitsgraden E und F meisterten.

Meist waren Klettersteige in den Südtiroler Bergen das Ziel, so in der Sella, im Rosengarten, der Brenta, im Cristallogebiet, der Tofana, Geisler, Drei Zinnen, Sextner Dolomiten, Pala und auf die Marmolada. Aber auch in anderen Gebieten, wie den Gardaseebergen, den Lienzer Dolomiten, im Allgäu und in den Eisenerzer Alpen bewältigten alle die zahlreichen und schwierigen Klettersteige.

Unvergessen dabei der Tomaselli-Klettersteig auf die südliche Fanesspitze, wo die Tiefenbacher Bergfreunde 1990 auf dem kleinen Gipfelplateau einen italienischen Bergsteigerchor erlebten, der „La Montanara“ zum Besten gab. 

Auf dem Gipfel der südlichen Fanesspitze.
Auf dem Gipfel der südlichen Fanesspitze.

Ein weiterer Höhepunkt in all den Jahren war 1999 die Besteigung der 3342 m hohen Marmolada, ein hochalpines Erlebnis und für manchen die Erfüllung eines Wunschtraumes.  Der Aufstieg erfolgte über den Gletscher zur Forcella di Marmolada und weiter auf dem Westgrad-Klettersteig auf den Gipfel Punta di Penia. Der Abstieg über einen schmalen Firngrat, eine 200 m hohe ungesicherte Felsflanke und abschließend über den mit vielen Spalten durchzogenen Marmoladagletscher erforderte höchste Konzentration. 

Auf der Marmolata (3343 m), der Königin der Dolomiten.
Auf der Marmolata (3343 m), der Königin der Dolomiten.
5 1999 Auf dem Marmoladagletscher
Sprung über eine Gletscherspalte.

Unvergessen ist leider auch ein schmerzliches Erlebnis: Durch einen Steinschlag am Pisciadù-Klettersteiges im Jahr 1989 wurden zwei Bergfreunde am Exnerturm getroffen und mussten zur stationären Behandlung nach Bozen ins Krankenhaus ausgeflogen werden. Zu dieser Zeit war eine Alarmierung per Handy noch nicht möglich, deshalb musste ein ital. Bergsteiger möglichst schnell die Pisciadú- Hütte erreichen, um den Notruf abzusetzen. Beide Bergfreunde konnten glücklicherweise nach vier Tagen die Heimreise zusammen mit der Gruppe wieder antreten.

Ergänzt wurden die zahlreichen Klettersteige durch viele Aufenthalte in Tramin an der Weinstraße. Bei den sogenannten „Ehepaaretouren“ standen Wanderungen im südlichen Südtirol und in der Provinz Trient im Mittelpunkt und so konnte das gesellige Beisammensein mit den (Ehe-) Partnern in den Bergen jährlich gestärkt werden.

Beginn der Ehepaaretouren in Südtirol im Jahr 1988.
Beginn der Ehepaaretouren in Südtirol im Jahr 1988.

Zum 30jährigen Jubiläum 2015 hatten sich die Bergfreunde Tiefenbach etwas besonderes ausgedacht – eine Reise mit ihren Ehefrauen auf die „Insel des ewigen Frühlings – Madeira“. Auf anspruchsvollen Wanderungen, vorbei an Wasserfällen und mit Moosen und Farnen bewachsenen Felswänden, durch Lorbeerwälder, an Wasserkanälen, den sogenannten Levadas führte der Weg entlang und erfreute die Bergfreunde an den traumhaften Landschaften und atemberaubenden Aussichten.

Die Bergfreunde in Madeira auf der Halbinsel Punta de Sao Laurenco
Die Bergfreunde in Madeira auf der Halbinsel Punta de Sao Laurenco

Bis ins Jahr 2019 fuhr die Gruppe der Klettersteigfreunde Tiefenbach jährlich im Herbst nach Südtirol. Im Jahr darauf entstand durch die Corona-Pandemie eine kurze Zwangspause, doch ein Jahr später fuhren alle wieder in die Dolomiten, um weitere neue und teils auch schon vor Jahren begangene Klettersteige zu begehen.

2025 waren dann die Bergfreunde Tiefenbach zum 40sten mal unterwegs, diesmal wieder in den Gardaseebergen, so konnte die Ferrata „Burrone Giovanelli“ als Schluchtklettersteig, die „Via Ferrata dell` Amicizia“ über Riva wieder begangen werden und als neuen Gipfel war dann über Arco  der Monte Stivo das Ziel.

Die Bergfreunde Tiefenbach gedenken auch an Ihre verstorbenen Mitglieder: Hans Andorfer, Andreas Andorfer, Herbert und Anna Tschöpa, Günter Schürzinger, Josef Ehgartner, Marlene Loibl und Robert Schmid.

Nach 40 Jahren der gemeinsamen Touren in Südtirol, Trentin, Belluno und vielen weiteren Gebirgsgruppen der Alpen, ist es hier wichtig und angemessen, unseren Organisator und Tourguide „Alois Brand“ zu erwähnen, der über die Jahrzehnte alle Touren vorbereitet, geplant und geführt hat. Im Namen aller aktiven und auch ehemaligen Teilnehmer bedanken wir uns sehr herzlich für die unermüdliche Tätigkeit, der diese Touren immer perfekt durchgeführt und selbst mehr als 70 mal die Touren geleitet hat. „Alois, dir ein herzliches Dankeschön für dein Engagement von uns allen, weiterhin viel Freude in und auf den Bergen und immer eine glückliche Rückkehr.“

Text: Alois Brand
Textergänzung: Josef Schwaiberger
Fotos: KS-Gruppe