Frei nach Peter Høeg: „Christoph Rothers Gespür für Schnee“
Vom 10. bis 12. Januar 2025 ging es unter der Leitung von Christoph Rother, Trainer B Skihochtouren, auf Skitouren rund um die Bergerhube (1201 m) im Hinteren Trieben Tal. Initiatoren waren unsere skitourenbegeisterten Mitglieder Christina und Max Siegl.
Die Skitouren im Hinteren Triebental waren mit mindestens 1200 Höhenmetern täglich ausgeschrieben und sollten für den Verfasser den leichten Einstieg in die neue Skitourensaison mit komfortablem Hüttenstützpunkt geben. Schnell wurde dem Verfasser schon im Zeitpunkt der Anmeldung klar, dass es aufgrund der ausgeschriebenen Schwierigkeit und Kondition, jeweils mit drei Bergen (▲▲▲), dann doch sogleich anspruchsvoller werden könnte; zudem, wer Genussskitouren à la DAV Summit Club zwecks Zone-2-Training erwartet, ist bei Christophs Erlebnistouren sicherlich an der falschen Adresse.
Nun von Anfang an: Freitagnachmittag machten sich die Teilnehmenden mit ihrem Tourenleiter mit dem Sektionsbus von Passau aus auf den Weg zur Bergerhube ins Hintere Triebental in der Obersteiermark. Bei der Ankunft wurden diese von der tourenaffinen Wirtshaushündin und den freundlichen Wirtsleuten empfangen. Das große Holzhaus mit altem Kachelofen ist idyllisch gelegen. Die Abgelegenheit des Bergtals in den Seckauer Tauern ist in jeder Hinsicht prägend.


Am ersten Tourentag stand der Triebenfeldkogel (1884 m) auf dem Programm. Nach dem Zustieg über Forstwege, auf denen man den Schnee zum Teil schon suchen musste, gelangten wir zuerst über einen wunderbar geneigten Hang zu einem Sattel, Moartörl (1711 m), und danach in bestem Zone-2-Training über einen lichten Fichtenwald zum schönen Gipfel mit kleinem Gipfelkreuz. Eine Abfahrt über die Aufstiegsroute kommt bei Touren mit Christoph nur selten vor, sodass dann auch in diesem Fall, des besseren Schnees wegen, nordseitig abgefahren wurde, um auf den gegenüberliegenden Moarkogel (2000 m) aufzusteigen. Die Abfahrt war spätestens ab dem Moment spannend, als sich unser Tourenleiter mit den eher rhetorisch anfühlenden Worten „Wollt ihr Abenteuer?“ in den steil eingeschnittenen und verschneiten Graben des Rosseggbachs verabschiedete.








Nach dem zügigen Aufstieg zum stark abgeblasenen Moarkogel konnten wir aufgrund des schneidigen Nordwinds dort nicht lange verweilen. Sodann fuhren wir wieder entlang der Aufstiegsroute ab. Eine tolle Tiefschneeabfahrt erwartete uns.



Nach ebendieser Abfahrt stiegen wir wieder Richtung Moartörl auf. Beim Sattel angekommen, glänzten Christophs Augen. Erfahrene Teilnehmer wissen, dass dieser Glanz nur von einer neu entdeckten Traumlinie herrühren kann. Für die Teilnehmer bedeutet dies (freiwillige) Extrahöhenmeter, mühevoll aber absolut bereichernd. Nun stiegen wir also zum zweiten Mal zum Triebenfeldkogel auf, diesmal deutlich zügiger. Über eine Kante sollte es Richtung Aufstiegsroute im Königsbachtal hinabgehen. Die Kante stellte sich von oben gesehen auf den ersten Metern als doch erstaunlich steil und vermeintlich zugewachsen heraus. Manche Teilnehmende mag über Meuterei nachgedacht haben. Doch die Linie war einwandfrei und relativ sicher fahrbar. Schlussendlich kamen alle – auf teils unterschiedlichen Abfahrten – beim letzten Tageslicht heil wieder bei der Bergerhube an. Auf den Uhren standen nun immerhin geleistete 1600 Höhenmeter Aufstieg. Nach dem Abendessen und dem ein oder anderen Getränk erholten sich die Teilnehmenden schnell von diesem langen, erfüllenden und vielseitigen Tourentag. Niemand hatte bei den vorherrschenden Bedingungen erwartet, solch wunderbare Abfahrten erleben zu dürfen.
Aufgrund des schlechten Wetters mit Neuschnee, Sturmböen bis zu 90 km/h und der schneidenden Eiseskälte war die sonntägliche Tour deutlich kürzer und fast schon entspannt. Diese führte zum Triebener Törl (1901 m). Der Zustieg war hierbei dem Vortag recht ähnlich und man gelangte wiederum über Forstwege mit mehr oder weniger Schnee zu einer kleinen Almweide bei der Triebener Hütte (1642 m) unter dem Gipfelaufbau des Sonntagskogels (2229 m). Der Aufstieg ins Törl führte durch ein steiles, steiniges Latschenfeld, sodass die Abfahrt, auch mangels Schnees, nur bedingt lohnend war.




Unserem Künstler des Schnees gelang es aber auch hier wieder, Stellen zu finden, an denen ein paar gelungene Schwünge möglich waren. Auch die absolvierten Höhenmeter hielten sich dieses Mal mit 850 erstaunlich in Grenzen.
Als Fazit kann gezogen werden, dass es unserem Tourenleiter gelungen ist, aus nicht vorhandenem Schnee das Beste herauszuholen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön im Namen der Gruppe hierfür!
In Trieben fanden wir zum Abschluss in der Pizzeria Giovanni große Pizzen à la Styria, stärkend nach dem stürmischen Vormittag, und gute Grundlage für die Heimfahrt nach Passau.
Für den Verfasser des Berichts bleibt nach der Tour nur die Schlussfolgerung:
Mein Leben habe ich mir in gewisser Weise selber eingebrockt, und ich will es gar nicht anders haben.
(Peter Høeg: Fräulein Smillas Gespür für Schnee)
Bericht: Thomas Schätzl, Ü: Christoph Rother
Fotos: Christoph Rother und Teilnehmende
