Lofer (Salzburger Saalachtal)/Passau. Die DAV-Sektion Passau steckt mitten im Jubiläumsjahr. Das 150-jährige Bestehen sollte dabei auch mit einem Fest in der sektionseigenen Höhle im Salzburger Saalachtal bei Lofer gefeiert werden. „Wir sind die einzige Sektion im DAV mit einer Schauhöhle, die ganz nebenbei zu den beeindruckendsten Naturwundern Österreichs zählt. In der immer noch von internationalen Teams geforscht wird und neue Gänge entdeckt werden , betont Lothar Schramm, 1. Vorsitzender der DAV-Sektion Passau. „Die Lamprechtshöhle ist ein Highlight, nicht nur für unsere Sektion, sondern insgesamt – deswegen sollte auch sie zum Sektionsjubiläum in den Mittelpunkt gerückt werden.“

So sind am vergangenen Wochenende rund 40 Sektionsmitglieder mit dem Reisebus nach Österreich gefahren, um hier gemeinsam mit Berg- und Höhlenfreunden der österreichischen Sektionen (ÖAV) Lofer und Leogang zu feiern. Unter den Gästen auch der Passauer Stadtpfarrer Dr. Anton Spreitzer, dessen Pfarrei St. Peter der DAV in Passau angehörig ist. Er hatte sich gerne Zeit genommen, um einen außergewöhnlichen Gottesdienst mit den DAVlern zu begehen: Direkt in der Höhle, eingebettet in atmosphärisches Licht, inmitten des gewaltigen Bergmassivs – im Übrigen sein erster Höhlengottesdienst: „Das war schon etwas ganz Besonderes. Höhlen und Berge, das sind schon in der Bibel Orte für Begegnungen mit Gott. Sozusagen im Bauch der Erde einen Gottesdienst zu feiern – das bleibt in Erinnerung“, so Pfarrer Spreitzer. Doch nicht nur für den Pfarrer, auch für die rund 80 Gottesdienstbesucher wird die Feierlichkeit in der Lamprechtshöhle unvergessen bleiben. Denn zunächst mussten die Gäste über hundert Meter tief in die Höhle hineingehen, über gesicherte Steige und Stufen, im Schlepptau zusätzliche Scheinwerfer, ein kleiner Tisch, der als Altar diente und eine 4-köpfige Musikantengruppe der ‚Böhmikanten‘ aus St. Martin bei Lofer mit ihren Instrumenten. „Ich bin heute zum ersten Mal in der Höhle und wollte mir als DAV-Mitglied diesen Ort schon länger ansehen – es ist schon auch etwas abenteuerlich, und vor allem wunderbar stimmungsvoll heute mit dem Gottesdienst und der Musik“, so eine Teilnehmerin.

„Die Höhle ist ein Kraftort. Diese Verbindung von Natur und dem Göttlichen, das hat mich tief beeindruckt“, dankt der Sektionsvorsitzende Lothar Schramm am Ende allen Teilnehmenden. In diesem Jahr feiert dabei nicht nur die Sektion selbst ihr 150-jähriges Bestehen, sondern auch die Höhle hat Grund zu feiern: nämlich das 120-jährige Betriebsjubiläum. „Im Jahr 1905 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht, gilt die Erschließung der Höhle noch heute als wahre Pionierarbeit. Übrigens auch aufgrund der technischen Vorkehrungen. Denn schon vor 120 Jahren sind die Menschen in die Höhle gekommen, um hier künstliches Licht zu sehen und zu erleben – das war in den Dörfern noch Mangelware und daher ein absolutes Highlight in der Höhle. Elektrizität wurde hier mittels Wasserkraft im Berg erzeugt“, erzählt Lothar Schramm. Die Erschließung, der stete Ausbau und die Instandhaltung der Höhle mache bis heute viel Arbeit – auch, weil die Lamprechtshöhle immer wieder dem Hochwasser ausgesetzt ist und Teile bei Starkregen komplett überflutet werden. „Aus Respekt vor der herausragenden Gründerarbeit und aufgrund ihrer Einzigartigkeit sind wir als Sektion aber sehr stolz, die Höhle betreiben zu dürfen“, so Schramm. Allein heuer wende man in Summe rund 400.000 Euro auf, um das angeschlossene Höhlengasthaus zu sanieren und für Besucher weiter attraktiv zu gestalten.

Ausflugtipp für die Sommerferien: Mit einer Gesamtausdehnung von rund 62 Kilometern zählt die Lamprechtshöhle zu den größten Höhlensystemen Europas. Seit dem spektakulären Fund eines weiteren Höhlenzugangs durch polnische Forscher im Jahr 1993 auf 2.178 Metern Seehöhe, gilt sie sogar als längste Durchgangshöhle der Welt. Dieser Rekord hat die Lamprechtshöhle international bekannt gemacht und zu einem beliebten Ziel für Geologen, Speläologen (Höhlenforscher) und neugierige Touristen werden lassen.
Etwa 700 Meter der Lamprechtshöhle sind als Schauhöhle erschlossen und öffentlich zugänglich. Ein gut gesicherter Steig mit Treppen, Geländern und Info-Tafeln ermöglicht Besuchern eine faszinierende Reise durch unterirdische Gänge, gewaltige Hallen, bizarre Steinformationen und tiefe Schächte. Die Temperatur bleibt ganzjährig konstant bei 6 bis 8 °C, was die Höhle zu einem idealen Ausflugsziel an heißen Sommertagen oder bei schlechtem Wetter macht.
Fotos und Text: Stefanie Starke
