Der Tappenkarsee (1762 m), einer der größten Gebirgsseen der Ostalpen, liegt umrahmt von einem Bergkranz in Form eines gewaltigen Hufeisens auf 1800 Metern in den Radstätter Tauern. Es war das erste Tourenziel von Hans Donaubauer, Wanderleiter der Ortsgruppe Freyung, in dieser Saison. Die verschiedenen Wetterapps waren sich darin einig, dass der zweite Tag verregnet sein würde. Für den ersten Tag, Sonntag 30. Juni, war Gewitterneigung für den Nachmittag vorhergesagt. Das bedeutete für die Gruppe aus neun Teilnehmern pünktlich um 6 Uhr in Außernbrünst im Kleinbus starten und unterwegs keine Zeit verlieren. Dank wenig Verkehr und den wieder geöffneten Tauerntunnel war um 9:30 Uhr der Parkplatz an der Schwabalm erreicht.
Dieser liegt etwas oberhalb des sehr malerisch gelegenen Jägersees im Kleinarltal auf 1200 Meter.
Zu Beginn ein flaches Stück Weg, dann aber in zahlreichen Serpentinen durch lockeren Bergwald, vorbei am Riesach Wasserfall, ging es zügig aufwärts.
Nach knapp zwei Stunden öffnete sich der Blick auf den wunderschön gelegenen Tappenkarsee. Hier am Nordufer, eingeengt durch die steilen Felswände von Raucheck und Weißgrubenkopf auf der linken Seite, ging der Weg entlang. Rechts bildete die Felsflanke des Maierkogels das schmale Seeufer.
Nach Süden hin weitete sich das Gelände zu einer Almlandschaft wie aus dem Bilderbuch. Weidende Jungrinder und Pferde in kleinen Herden, mehrere Bergbäche schlängeln sich durch das grüne Hochtal und münden in den See. „Schon fast kitschig“ meinte ein Teilnehmer augenzwinkernd. Rechts wird diese Traumlandschaft durch felsdurchsetzte Grasberge mit einigen Gipfeln begrenzt. Diese Gipfel in einer luftigen Gratwanderung zu überschreiten, war das weitere Programm des Tages.
Es galt also noch einige Höhenmeter zurückzulegen.
Etwas oberhalb der Tappenkarseealm (1768 m) wurde am Rand üppig blühender Almwiesen Mittagsrast gemacht. Große Almrauschflächen, blau leuchtende Enzian-Arten, einfach die ganze Welt der Almblumen, waren entlang der gesamten Tour zu bewundern.
So gestärkt ging es hinauf zum Draugsteintörl. Hier war die Kammhöhe von ca. 2200 Meter erreicht. Auf zum Teil sehr schmalem Grat mit schwindelerregenden Tiefblicken ging es nun von Gipfel zu Gipfel.
Karteiskopf, Gurenstein, Karteistörl, Kreuzeck und der Riffl, mit 2266 Meter der höchste Punkt des Tages. Auf diesem schmalen Grasgipfel wurde noch einmal Rast gemacht und die herrliche Landschaft in aller Ruhe und vollen Zügen genossen. Immer wieder zogen Wolkenfelder durch, wechselndes Licht veränderte die Landschaft ständig. Manchmal erinnerte das hell erleuchtete grüne Tal an die Bilder vom schottischen Hochland.
Der Rückweg führte nochmal über das Kreuzeck und dann hinab zur Tappenkarsee Hütte auf 1820 Meter. Eine Hütte des Österreichischen Alpenvereins, geführt von der sehr freundlichen Pächterfamilie Höller.
Aufgrund der schlechten Wetteraussichten hatten alle anderen Wandergruppen abgesagt. So wurde der Mut unserer Gruppe mit viel Platz und Ruhe belohnt. Ein sehr schöner Tag klang bei gutem Essen in lustiger Runde aus.
Nachts kam er dann doch, der angekündigte Regen. Die Gruppe hatte bereits am Abend einen Alternativplan für den zweiten Tag beschlossen. Die Besteigung des Weißgrubenkopfs (2369 m) fiel ins Wasser.
Bei diesem Wetter bot sich ein Besuch der Liechtensteinklamm in St. Johann im Pongau an. Eine der längsten, tiefsten und beeindruckendsten Schluchten in den Alpen. Ein imposantes Naturschauspiel mit mächtigem Wasserfall. Spektakulär führt die Wendeltreppe „Helix“ 30 Meter in die die Tiefe der Schlucht. Auch das Wetter war wieder besser geworden, sogar die Sonne lies sich von Zeit zu Zeit blicken.
Zufrieden konnte um 13 Uhr die Heimfahrt angetreten werden. Eine Einkehr im sehr schönen Gasthof Franz in Bergheim bei Salzburg mit köstlichem Essen, bildete den gelungenen Ausklang einer wunderschönen Alpenvereins-Tour.
Text und Bilder: Hans Donaubauer