Wandertipps abseits des Trubels zwischen Arber, Lusen und Dreisessel

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Oft ist’s ja so, dass wir auf die Gipfel der bekannteren Berge wandern. Da viele so denken, sind manche Routen bei schönem Wetter geradezu überlaufen. Also suchen wir nach stilleren Wegen. Doch manchmal dringen wir dabei unbewusst in sensiblere Gebiete vor. Gerade im Winter und im Frühjahr, wenn Wildtiere ihre Jungen aufziehen, können wir ihnen so ungewollt schaden. Später im Jahr trüben dann die Menschenmassen tagsüber unseren Naturgenuss. Daher wollen wir in dieser Reihe etwas unbekanntere Bayerwaldberge vorstellen.

Wenn der Schnee schmilzt… Frühjahrsfamilienwanderung zwischen Pröller und Käsplatte (ca. 9 km, 3 Std., Karte: Landesamt für Vermessung 1:50000: „Naturpark Bayerischer Wald, westlicher Teil, Straubing-Deggendorf-Regen-Viechtach)

Selbst viele Landkreis Regen– und Landkreis Straubing-Bogen-Bewohner, die nicht aus Viechtach, Kollnburg oder Sankt Englmar kommen, haben noch nie von ihnen gehört. Unter Urlaubern und Einwohnern der genannten Orte gelten sie aber als offener Geheimtipp. Und so kann es sein, dass der Parkplatz gegenüber der Abzweigung zum Predigtstuhlressort bei Sankt Englmar an der Staatstraße 2139 bei schönerem Wetter schon vormittags überfüllt ist. Volkslaufartige Massen wurden rund um den Pröller (1049 m NN) jedoch noch nicht beobachtet, man bleibt entspannt. Und überhaupt: Der Pröller ist ein klassischer Familienberg, im Frühjahr einer der ersten Bayerwaldtausender, deren Wege so weit schneefrei sind, dass sein Gipfel ohne Tourenski und Schneeschuh erwandert werden kann. Der Lohn bei passendem Wetter: der Blick hinüber zu Großem Arber, Kleinem Arber, Enzian & Co, kurzum: zur Achtausenderkette. Wem’s auf dem Pröllergipfel zu voll ist, wer noch einen ganz echten Geheimtipp kennenlernen will, dem sei nach dem Pröllergipfel noch der des 978 m hohen Nachbarbergs, der Käsplatte empfohlen. Kenner bezeichnen sie wegen ihres Blockmeers auch „Volksausgabe des Lusengipfels“: Die Granitblöcke und ihr Meer sind kleiner, teilweise bewaldet, ihre Zwischenräume hin und wieder mit Gras oder Heidelbeersträuchern bedeckt. Macht aber nichts, denn in ihrer Aussicht ist die Käsplatte dem Lusen fast ebenbürdig, was den Punkt „Einsamkeit“ betrifft, wahrscheinlich sogar überlegen.

Also: Wir parken am Wanderparkplatz an der St 2139 – von Viechtach kommend kurz vor, von Straubing kommend kurz nach der Abzweigung nach Sankt Englmar, genau gegenüber der Abzweigung zum Predigtstuhlressort und folgen der Pröllergipfel-Beschilderung hinein in den Wald. Rechts ist er noch licht, wir erhaschen Blicke auf den Predigtstuhl. Direkt am Weg: ein paar Holzschnitzereien, Waldsprüche… Dort, wo der Wanderpfeil „Goldsteig“/Fernwanderweg hinauf zum Pröllergipfel zeigt, halten wir uns links, der Weg steigt langsam an, links ein kleines Rinnsal (z.B. für unseren Hund), dann wird’s kurzfristig lichter. Dort, wo der Wald wieder dichter wird, laden ein paar Meter vom Weg entfernt Felsblöcke zum Kraxeln ein, links, leicht unterhalb vom Weg: eine Quelle, der Weg wird zum Pfad, ein paar Meter noch: der Gipfel samt Kreuz, Bänken und Tischen und der versprochenen Aussicht. Wer’s eilig hat, dem sei der beschilderte Abstieg über die Piste empfohlen. Allen anderen legen wir dringend noch den Abstecher zur Käsplatte ans Herz. Also: weiter den Goldsteig hinab in Richtung Ahornwies, vorbei an der Piste und der Viechtacher (Ski-)Hütte hinunter zum Wanderparkplatz, dann links halten, an einer Wacholderheide (samt Naturinformationstafel des Naturparks, die uns einiges über deren Entstehung, besondere Schutzwürdigkeit, tierische und pflanzliche Bewohner und Erhaltungsmaßnahmen erzählt) vorbei, links Wiese, rechts Waldrand. Dort, wo wir wieder in den Wald eintauchen, halten wir uns links, folgen dem Pfad der „roten runden 16“ zum Käsplattegipfel, der – so erfahren wir – ein Naturdenkmal ist, genießen den Ausblick und – zumindest meist – die Stille. Dann kehren wir um, steigen auf dem gleichen Weg hinab, hinüber zur „Wacholderheide Ahornwies“, vorbei am Parkplatz queren wir diesmal mit der „roten runden 4“ den Pröller auf halber Höhe. Rechts die Piste, links ein Gasthaus… hinein in den Wald, irgendwann – wir haben die Meter noch nie gezählt – stoßen wir auf die schon vom Prölleraufstieg bekannte Abzweigung, vertrautes Terrain, der Parkplatz. Hinter uns: zwei Gipfel auf einmal, eine einfache Familienwanderung und vor uns: Lust auf mehr!

Weitere Touren rund um den Pröller gibt es auch auf alpenvereinaktiv.com. (Geben Sie dort „Pröller“ in das Suchfeld oben rechts ein.)

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