Hochtour auf den Großen Möseler (3478m) und Olperer (3476m)

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Großer Möseler und Olperer standen auf dem Programmzettel unserer Sektionstour, die vom 13. bis 16. August von Alois Herleinsberger geleitet wurde. Nur zwei Sektionsmitglieder  nahmen an der Tour teil, was dem Erfolg aber keinen Abbruch tat. Günter Schallmoser war mit dabei und berichtet über diese Tour.

Dass man auf Hochtouren mit unvorhergesehenen Überraschungen rechnen muss, zeigte sich bereits bei der Anreise: Da das ursprünglich vorgesehene Fahrzeug nach wenigen Kilometern mit Motorschaden ausschied, musste doch wieder der bereits bewährte VW-Bus von Tourenleiter Alois Herleinsberger herhalten. Der Rest der Anfahrt zum Schlegeisspeicher (1786m) gestaltete sich dann aber problemlos, so dass wir gegen 13:30 Uhr bei bestem Bergwetter mit dem Aufstieg zum Furtschaglhaus (2295m) starten konnten.

Schlegeis-Speichersee (1786m) mit Blick auf den Großen Möseler (3478m)

Nach der Ankunft auf der Hütte starteten wir gleich noch Richtung Schlegeiskees, um die Lage am Gletscher zu erkunden. Aufgrund einer kurzfristigen Absage waren wir nur noch zu dritt, aber bestens gelaunt, da der Wetterbericht zumindest für die nächsten zwei Tage gute Bedingungen vorausgesagt hatte. Am Gletscher selbst war eine dünne Schnee- bzw. Firnauflage, die aber die Spalten noch gut erkennen ließ.

Nach einem üppigen 3-Gänge-Menü (wir hatten uns für die Halbpension entschieden) und einem Schlummertrunk genossen wir eine ruhige Nacht im Zimmerlager.

Sonnenaufgang auf dem Furtschaglhaus (2295m)

Gleich nach dem Frühstück um 6:30 war dann Abmarsch Richtung Großer Möseler (3478m). Abgesehen von ein paar Wolkenfetzen um die Gipfel versprach es, ein überwiegend sonniger Tag zu werden. Zügig gewannen wir die bereits bekannten Höhenmeter bis zum Gletscherrand, wo wir die Gletscherausrüstung anlegten.

Am Schlegeiskees

Zunächst am Seil in Dreierseilschaft marschierten wir zum Felsköpfl, das seilfrei zu überwinden war. Der Grataufschwung in perfekten Granitblöcken war herrlich zu besteigen.

Blockgrat am Felsköpfl

Waren wir bisher noch im Schatten unterwegs, zeigte sich nach dem letzten Grataufschwung die Sonne und der obere Teil des Furtschagelkees glänzte im Sonnenlicht. Darüber thronte der Große Möseler (3478m), dessen Gipfelkreuz schon greifbar nahe schien.

Furtschagelkees mit Blick auf das Gipfelkreuz des Großen Möseler

Aufgrund der guten Bedingungen konnten wir das Furtschagelkees seilfrei begehen, so dass wir bald auf dem Gipfel standen. Die Rundumsicht war herrlich und das Wetterglück blieb uns treu, denn der Gipfel selbst war wolkenlos. Nur die benachbarte Hochfeilergruppe (3510m) versteckte die Gipfel in den Wolken.

Auf dem Großen Möseler (3478m), von links: Günter Schallmoser, Alois Herleinsberger, Stefan Ossyssek

Nach dem obligatorischen Gipfelfoto, das freundlicherweise ein Südtiroler Bergsteiger schoss, ging es wieder an den Abstieg.

Am Felsköpfl ging es dann auf dem Normalweg abwärts, der allerdings erdig, steinig und im Abstieg ungut zu begehen war. Zurück auf dem Furtschagelhaus wäre eigentlich der erste Tourentag schon beendet gewesen, da der nächste Tag als Übergangstag Richtung Olpererhütte (2389m) geplant war um von dort aus den Olperer (3476m) zu besteigen.

Nachmittags auf dem Furtschaglhaus (2295m)

Aufgrund der ungünstigen Wetterprognose für Mittwoch beschlossen wir jedoch, gleich ins Tal abzusteigen und am anderen Ende des Schlegeeisspeichers noch zur Olpererhütte (2389m) aufzusteigen. Also gab es noch schnell ein isotonisches Getränk, der Rucksack wurde geschultert und los gings runter zum Schlegeisspeicher (1786m). Der lange Hatscher entlang des Stausees war dann schon „zaach“.

Hatscher am Schlegeisspeicher (1786m)

Doch da sich schon leichtes Nieseln ankündigte, gaben wir aufwärts zur Hütte nochmal Gas, so dass wir diese tatsächlich weitgehend trocken erreichten. Die Hütte war voll belegt, so dass wir uns auf eine „gemütliche“ Nacht im Notlager einrichten konnten. Aber nach insgesamt 1800 hm im Aufstieg und 1700hm im Abstieg waren unsere Beine doch etwas schwer, so dass die nötige Bettschwere erreicht war.

Das Abendessen war hervorragend und nach einem gemütlichen Hüttenabend mit musikalischer Begleitung wurde in der Gaststube das Notlager errichtet. Da dort aber fast 20 Personen schlafen sollten, entschieden sich zwei von uns, das Lager auf der Terrasse aufzuschlagen. Die Nacht im Notlager war dann aufgrund von einigen Schnarchern dann tatsächlich etwas unruhig. Nach der Stärkung beim Frühstück ging`s dann aber los und bei traumhaftem Sonnenaufgang marschierten wir zu dem was vom Riepenkees noch übrig geblieben ist Richtung Olperer (3476m).

Sonnenaufgang über der Olpererhütte (2389m)

Beim Blick zurück konnte man unten im Tal den Schlegeisspeicher (1786m) und darüber unser gestriges Ziel, den Großen Möseler (3478m) bewundern.

Blick über den Schlegeisspeicher (1786m) zum Großen Möseler (3478m, links) und auf die Hochfeilergruppe (3510m, rechts)

Am Riepenkees gings dann wieder in bewährter Dreierseilschaft aufwärts Richtung Tuxer Gletscher.

Auf dem Riepenkees

Gleich nach dem Sattel überholte uns dann ein Pistenbulli und die ersten Schifahrer sausten talwärts. Der Schnee war dreckig braun und firnig und wir konnten nicht recht verstehen, was daran Spass machen soll. Aber anscheinend trainierten einige Rennfahrer bereits für die Wintersaiso und ein paar Spanier haben ihren Spaß im sulzigen Schnee. Wir gingen am Rand der Piste aufwärts zur Wildlahnerscharte (3230m).

Das letzte Stück Gletscher ist zwar „nur“ 35° steil, schaut aber von unten doch beeindruckend aus. Ohne Seil stiegen wir Richtung Grat, auf den wir dann ausquerten. Der Grat selbst war weitgehend eis- und schneefrei und bot beste Blockkletterei in festem Granit. Nun wurde wieder angeseilt und in Dreierseilschaft ging es luftig nach oben.

Auf dem Olperer-Nordgrat

Wir merkten schnell, dass dies eine gerne begangen Tour war, denn es war einiges los am Grat. Neben einem Solo-Begeher trafen wir im oberen Teil auch schon viel Gegenverkehr. Manchmal wundert man sich, wie sorglos manche Leute diese trotz vorhandener Stahlbügel doch ernste Tour angehen (Beispiel: Eine Frau kommt zum Stand, hängt Ihren Schraubkarabiner ein und legt das Seil zu Ihrem nachfolgenden Mann einfach, d.h. ohne jede Schlinge (!) in den Karabiner und schreit hoch: “Hab dich!“ Auf meinen Hinweis, dass da jetzt gar nichts bremsen würde und sie doch einen Halbmastwurf legen soll, sagt sie: „Den kann ich nicht“. Wir haben dann gleich eine kurze Ausbildung in Knotenkunde gemacht…). Trotzdem waren der Aufstieg und die dabei möglichen Tiefblicke grandios, der Fels war fest und nur nordseitig manchmal eisig. Schon beim Aufstieg trafen wir ebenfalls auf eine Dreierseilschaft, deren Vorsteiger uns irgendwie bekannt vorkam. Das ist doch…? Meinst wirklich…? Ja, freilich, das ist doch der Heinz Zak! Und tatsächlich, einige Klettermeter waren wir mit dem berühmten Fotografen und Bergsteiger am selben Haken unterwegs. Am Gipfel redeten wir kurz miteinande und Heinz Zak war sogar für ein Gipfelfoto zu haben (seine hübsche Begleiterin haben wir natürlich auch fotografiert…).

Gipfelfoto mit Heinz Zak vorne rechts

Auf dem Olperer-Gipfel (3476m), – fotografiert von Heinz Zak – von links: Stefan Ossyssek, Alois Herleinsberger, Günter Schallmoser

Da die Zeit schon fortgeschritten war und wir noch ins Tal absteigen wollten, starteten wir wieder abwärts über den Riepengrat. Um Zeit zu sparen, verzichteten wir auf das Seil, was schon ein sehr konzentriertes und aufmerksames Steigen erforderte. Immer wieder taten sich atemberaubende Blicke ins Tal auf, doch der Fels war griffig, so dass wir schnell abwärts kamen.

Rückblick auf den Riepengrat

Vor dem Talabstieg gab es auf der Olpererhütte dann noch eine Stärkung. Ein letzter Blick zurück zeigte nochmal unsere beiden wunderbaren Gipfelziele: Links der Möseler und rechts der Olperer. Was für eine wunderbare Tour bei besten Bedingungen, so stellt man sich eine Hochtour vor!

Da es schon spät geworden ist, nächtigten wir nochmal im VW-Bus von Alois (bzw. im Zelt daneben) und fuhren am nächsten Morgen bei dem bereits angekündigten Regen wieder heimwärts.

Günter Schallmoser

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